Vielseitig einsetzbar

Milch besteht zu etwa 87,5 Prozent aus Wasser. Dieses Wasser kann man ihr durch Trocknung in einem sogenannten Trocknungsturm entziehen – dann entsteht Milchpulver. Für die Herstellung von einem Kilo Trockenmilchpulver werden etwa sechs bis sieben Liter Milch benötigt. Als Pulver ist Milch viel länger haltbar, nämlich je nach Produkt zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Abhängig vom Fettgehalt, wird unter anderem zwischen Vollmilch- und Magermilchpulver unterschieden. Milchpulver wird vorwiegend für die Herstellung verarbeiteter Lebensmittel verwendet, wie zum Beispiel für Säuglingsmilch, Schokolade, Speiseeis, Back- und Süßwaren. Aber auch in Kosmetika, Medikamenten, Astronauten-, Alten-, Sportler- und Tiernahrung steckt Trockenmilch. 

Lange haltbar

Durch die Zugabe von Trinkwasser kann die Milch rekonstruiert, also wieder in flüssige Milch zurückverwandelt werden. Neben Milchpulver gibt es auch Molkenpulver, das aus Molke gewonnen wird. Molke ist ein bei der Käseherstellung anfallendes Nebenprodukt, dass auch als Süßmolkenpulver oder Sauermolkenpulver erhältlich ist. Milch- und Molkenpulver muss nicht gekühlt gelagert werden und eignet sich hervorragend für den Export in "milcharme" Länder. Deutschland ist mit rund 30 Millionen Tonnen der größte Milchproduzent in Europa. 

Guter Proteinspender

Als Lieferant von tierischem Eiweiß wird Molkenpulver zudem als Futter in der Schweinemast verwendet. Auch in der Kälberaufzucht wird Milchpulver erfolgreich eingesetzt. Direkt nach der Geburt bekommt jedes Kalb die Erstmilch der Mutterkuh zur Stärkung der Abwehrkräfte. Danach wird meist der sogenannte Milchaustauscher eingesetzt, er enthält neben hochwertigem Magermilchpulver auch Vitamine und Mineralstoffe. Das junge Tier ist in dieser Lebensphase noch nicht in der Lage pflanzliches Eiweiß richtig zu verdauen. Das liegt daran, dass der Kälbermagen diese Fähigkeit erst in den kommenden Wochen entwickeln muss. Um das Kälbchen hier zu unterstützen, bekommt es schon in den ersten Tagen nach der Geburt Heu zur freien Verfügung angeboten, um seinen Magen zu trainieren. Nach rund zehn Wochen kann die Kälbermilch langsam abgesetzt werden. Jetzt ist der Kälbermagen ausreichend trainiert, um pflanzliche Nahrung wie Gras oder Heu ausreichend zu verdauen.

Textilfasern aus Milch

Doch Milch ist nicht nur für die Lebensmittelindustrie interessant. Das Unternehmen QMILK verwertet jährlich rund 2 Mio. Tonnen Milch, die nicht zum Verzehr geeignet sind, die sogenannte Non-Food Milch*. QMILK hat ein Verfahren (weiter-) entwickelt, um aus dieser Non-Food-Milch nachhaltige Textilfasern herzustellen. Das Ergebnis fühlt sich ähnlich weich und glatt wie Seide an. Die Faser eignet sich besonders gut als Kombipartner für verschiedenste Material-Mixe. Sie zeichnet sich durch eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme sowie durch antibakterielle und Temperatur-ausgleichende Eigenschaften aus. Zur Herstellung der QMILK-Faser wird das Milcheiweiß Kasein benötigt. Es entsteht, wenn Milch sauer und flockig wird. Diese Flocken bilden nach dem Abschöpfen Quark. Durch Trocknung entsteht ein Pulver, das zuerst mit Bienenwachs, Weizenkleie und Wasser vermengt, danach erhitzt und geknetet wird. Anschließend wird die Masse, wie in einer Art Fleischwolf, durch eine Düse gepresst. Die so entstandenen kurzen Fasern enthalten noch Wasser und müssen daher abschließend thermisch getrocknet werden. Danach können sie zu Fäden versponnen werden. Zu keinem Zeitpunkt werden Masse oder Fasern über 100 Grad erhitzt, sodass die Milch von ihren Bestandteilen her unverändert bleibt. Der gesamte Prozess ist so effizient, dass Fasern in nur fünf Minuten hergestellt werden können. Neben Bekleidungsfirmen setzen auch Hersteller von Bettwaren und Matratzen, Raumausstatter, die Automobilindustrie oder Unternehmen aus der Medizinbranche die innovativen Produkte aus Non-Food-Milch ein.

*Non-Food Milch:
Non-Food Milch ist zum Beispiel Milch von gerade gekalbten Kühen, abgelaufene Milch aus den Kühlregalen der Supermärkte, das bei der Käseherstellung anfallende Milchfiltrat oder Fehlchargen aus Molkereien. Auch Milch, die beim Transport nicht ausreichend gekühlt wurde und eigentlich vernichtet werden müsste, gehört dazu. Für die Faserherstellung ist die Milch umso eher geeignet, je älter und saurer sie ist. Erst dann flockt das Kasein aus. Auch "abgelaufener" Quark oder Joghurt kann verwendet werden. Aso überschüssige Milch, die sonst vernichtet würde, bekommt so eine neue Verwendung.

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