Nicht mehr richtig Winter, aber auch noch nicht wirklich Frühling: Was passiert eigentlich um Ostern herum in der bayerischen Landwirtschaft?

Jedes Jahr stehen die Bauern im zeitigen Frühjahr vor demselben Problem: Halten die ersten warmen Sonnenstrahlen, was sie versprechen? Lohnt es sich, mit Arbeiten wie dem Walzen, dem Düngen oder dem Ausbringen der Saat zu beginnen? Oder bringt der Frühling noch einmal tiefe Temperaturen, so wie im März 2018, als das Quecksilber stellenweise deutlich unter minus 10 Grad sank – und Bodenarbeiten damit unmöglich machte.
Allerdings: Für das Bearbeiten sollte der Boden idealerweise noch leicht gefroren sein. Für das Düngen sind eisige Nächte (Nachtfrost) und wärmere Tage optimal. Bei starkem Frost und oder Schnee lassen sich die Äcker überhaupt nicht bearbeiten – und es ist auch nicht erlaubt. Die Natur hat es übrigens nicht leicht, die Bauern zufriedenzustellen: Ein zu nasses Frühjahr kann Pflanzen und Bödenstrukturen nämlich ebenfalls schaden – und schlimmstenfalls die spätere Ernte gefährden.
A propos Düngen: Wenn die Temperaturen steigen, kann man sie wieder hören: Ausrufe wie „Pfui, der Bauer odelt wieder!“ oder „Bäh, wie das riecht!“ Was manchem Zeitgenossen lästig erscheint, ist für den Landwirt und seine Pflanzen unerlässlich: das Düngen! So wie Pflanzenfreude ihren Balkon- und Wohnzimmerpflanzen regelmäßig ein Düngestäbchen spendieren, so fahren die Landwirte die Gülle aufs Feld.
Als Nährstoff- und Kraftspender ist Gülle für das Wachstum jeder Nutzpflanze unerlässlich. Doch kommt nur so viel auf den Acker, wie für ein gesundes Wachstum benötigt wird. Kein Bauer bringt freiwillig zu viel Gülle auf die Felder – das macht Arbeit, kostet Geld und schmälert den Ertrag. Denn zu viel Stickstoff schadet den Pflanzen und verringert den Ernteertrag.
Schwierig ist es jedoch für die Landwirte, wenn der Winter zu lang war und die Gülle nicht auf die Felder gebracht werden kann. Irgendwann sind die Güllebehälter und -gruben nämlich voll, und es fällt täglich neue Gülle an. Deshalb müssen die Speichkapazitäten in einem ausreichenden Verhältnis zur Anzahl der Tiere stehen – Puffer inklusive. Im eigenen Interesse halten sich die meisten Landwirte an diese Vorgabe.

Nach dem Winter...

Im Kalender der Landwirte stehen jedes Jahr um diese Zeit bestimmte wiederkehrende Arbeiten, die nach dem langen Winter anfallen:
Im  März/April wird traditionell das Holz bereitgelegt, um die Zäune sowie Schäden an Haus, Stall und Scheune auszubessern oder Neues anzubauen. Gleich nach dem ersten Tauwetter beginnt die Arbeit auf Acker und Feld, in den Wiesen müssen die Wassergräben gereinigt werden. Im Bauerngarten werden – je nach Wetter – die Böden hergerichtet und die Beete vorbereitet: Es gilt die Mulchschichten zu entfernen, den Boden lockern und glatt zu rechen sowie das sprießende Unkraut zu jäten. Jetzt wird auch das letzte Wintergemüse geerntet: Feldsalat, Grünkohl und Rosenkohl. In den folgenden Wochen beginnen die ersten richtigen Feldarbeiten, im Bauergarten können bei ausreichender Wärme Sommerblumen, Gewürzkräuter und erste Gemüse gesät werden.

Außerdem ist jetzt Folgendes zu tun:

Kartoffeln
Die zertifizierten Saatkartoffeln, die in großen Lagern überwintert haben, müssen nun sortiert werden – sie kommen zum Verkauf oder werden in die eigenen Böden gelegt. Die Frühkartoffeln sind – wie der Name schon sagt – die ersten Kartoffeln, die gelegt (im Klartext: in die Erde gebracht) werden müssen, damit es Ende Juni bzw. Anfang Juli die erste Ernte möglich ist. Nach den Frühkartoffeln werden im Laufe der nächsten Wochen dann auch die mittelspäten und späten Kartoffeln gelegt, die längere Zeit in der Erde wachsen.

Getreide
Im Herbst gesäte Getreidearten wie Wintergerste, Raps und Roggen benötigen jetzt einen stickstoffhaltigen Dünger wie Gülle oder Mineraldünger, um kräftig und ertragreich wachsen zu können. Während Roggen als frühes Grünfutter (April/Mai) in der Rinderhaltung und als Grünroggen zur Verwendung in der Biogasanlage (Mai/Juni) zum Einsatz kommt, handelt es sich bei der Wintergerste um die Getreideart, die in der Regel als erste erntereif ist, nämlich im Juli.

Gemüse / Mistbeet
Im Gemüsebeet, vor allem auch im Mistbeet, können nun die ersten Salate, Rucola oder auch Radieschen gesät werden. Im Mistbeet wird die im Mist enthaltene Wärme dank einer Abdeckung aus Plexiglas gespeichert. Es entwickelt sich ein Klima wie im Treibhaus oder im Frühbeet - so geschützt wächst frühzeitig das ein oder andere Gemüse heran.

Wiesen
Auch auf den Wiesen und Weideflächen müssen die Landwirte in diesen Wochen mit der Arbeit beginnen. Mit der sogenannten Wiesenhexe (oder auch Striegel genannt) werden Wühlmaus- und Maulwurfhaufen geplättet. So kann das Gras ordentlich wachsen, und bei der Heu-Ernte gelangt später keine Erde in die Maschinen.

Obst
Bei den Obstbauern ist in diesen Tagen ebenfalls einiges zu tun – wenn auch weniger als in einem vergleichbar wärmeren Frühling. Bäume schneiden, Wurzeln kappen und Düngen sind drei der wichtigsten Arbeiten auf den Obstplantagen. Besonders dem Schneiden der Bäume und Wurzeln kommt in diesem Frühjahr eine große Bedeutung zu. Denn aufgrund der schlechten Ernte 2017 ging mehr Kraft in das reine Wachstum (und weniger in die Frucht). Die abgeschnittenen Pflanzenteile werden zerkleinert und kommen mit dem Dünger wieder zurück auf die Plantagen – ein geschlossener Kreislauf also. Die Vermarktung ist bei den Bodensee-Obstbauern in diesem Frühjahr kaum ein Thema: Ihre Äpfel sind nach den Ernteausfällen von über 50 Prozent im vergangenen Jahr nahezu ausverkauft.