Essbarer Liebesbeweis

Die kleine Beere ist tatsächlich gar keine Beere, sondern eine Form der Sammelsteinfrucht – das bedeutet, dass sie eigentlich aus vielen kleinen Früchten besteht, die dicht beieinander liegen. Obwohl sie zu den ältesten Kulturfrüchten in Deutschland zählen, haben sich die Himbeeren dank moderner Zuchtmethoden im Laufe der Zeit ganz schön verändert. Früher waren sie winzig klein und wuchsen ausschließlich am Waldesrand, heute reifen sie an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern zu einer vergleichsweise stattlichen Größe heran. Die Sorten unterscheiden sich in der Farbe und der Erntezeit. Es gibt Sommerhimbeeren, Herbsthimbeeren und auch Two-Timer-Himbeeren – diese Sorten tragen sogar zweimal im Jahr Früchte. 

Die empfindliche Katzenbeere verdankt ihren Geruch einer wichtigen Komponente: Himbeerketon. Das weißliche Pulver, das in den Himbeeren enthalten ist, wird nicht nur zur Aromatisierung von Süßspeisen genutzt, sondern dient auch als Insektenlockstoff. Ein wahres Multitalent, diese Mollbeere. 

Ihren deutschen Namen hat die Himbeere übrigens aus dem Reich der Tiere: „Hind“ ist eine altnordische und angelsächsische Vokabel und bedeutet „Hirschkuh“. Der imposante Paarhufer konnte wohl nicht genug bekommen von den süßen Früchten und so taufte man die Obstsorte eben kurzerhand „Beere der Hirschkuh“.

Wirksame Garten-Apotheke

Sie ist der Spitzenreiter unter den Heilbeeren: 150 g der roten Frucht decken gleich ein Drittel unseres Tagesbedarfs an Vitamin C ab. Auch die Menge an enthaltenen A- und B-Vitaminen und Mineralstoffen kann sich sehen lassen – ebenso wie die sekundären Pflanzenstoffe. Besonders die Anthocyane, die für die leuchtende Farbe der Himbeeren verantwortlich sind, verhindern die Zerstörung unserer Körperzellen, wenn sie von aggressiven Sauerstoffmolekülen angegriffen werden. Dadurch sollen sie sogar vor Demenz, Krebs, Parkinson oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. 

Die Damenwelt sollte die entzündungshemmende Frucht mit besonderer Wertschätzung behandeln –sie  soll bei der Regulierung des weiblichen Zyklus wahre Wunder wirken. Aber auch gegen Erkältungen und andere Viren ist sie in Form von selbstgemachtem Sirup ein wahrer Gesundheits-Garant. 

Von wilden Waldbeeren und langlebigen Balkonpflanzen

Wo die Wälder frei von ungesunden Abgasen sind, sollte man die Augen nach den wilden Himbeeren offen halten. Diese schmecken mit Abstand am besten: zuckersüß und saftig warten sie am Waldesrand darauf, gepflückt zu werden.

Der Wald zu weit weg, kein Garten vorhanden, dafür aber ein schnuckeliger Balkon in Reichweite? Kleinwüchsige Two-Timer-Sorten lieben die Sonne, frösteln bei Wind und geben sich auch mit einem einfachen Topf zufrieden. Wichtig ist, dass sich keine Staunässe bildet und der Strauch mitsamt Pflanzenstäben in die lockere Erde gesetzt wird. Regelmäßiges Gießen und Düngen hält die fruchtigen Balkonpflanzen am Leben – nachschneiden sollte man die Ruten der Sträucher spätestens im Herbst, idealerweise direkt nach der Ernte. Die Erde im Topf wechselt man alle zwei Jahre. Keine Angst vor Eis und Schnee: Himbeeren brauchen zwar Frostschutz in Form von Dämmmaterialien, die man um den Topf und die Pflanzen wickelt, überleben aber auch im Winter. Sortenempfehlung: Die „Sugana“. Sie zeichnet sich durch mittelrote Früchte aus, die von Juni bis August geerntet werden können.

Sommer für den Gaumen

Auf die Beeren, fertig, los! Im Sommer haben die Sammelsteinfrüchte bei uns Saison und sind auf ihrem Geschmackshöhepunkt. Werden sie zu früh geerntet, schmeckt man das deutlich an dem erhöhten Säuregehalt. Ansonsten sollte man sicherstellen, dass die Beeren keine Dellen haben, da sie sonst schnell Schimmel ansetzen. 

Kein Herz für Grobmotoriker: Da die Obstsorte sehr empfindlich ist, sollte man sie nicht an warmen Stellen lagern und auch im Umgang braucht es Zärtlichkeit – bei zu hohem Druck werden sie sofort matschig. Im Kühlschrank, locker ausgebreitet auf einem Teller, fühlen sie sich am wohlsten und bleiben mindestens zwei Tage essbar. 

Im Gegensatz zu den meisten anderen Erzeugnissen müssen Himbeeren eigentlich keinem Waschgang unterzogen werden, bevor wir sie weiterverarbeiten, da sie keinen Kontakt mit der Erde hatten. Für das gute Gefühl ist ein sanftes Abspülen aber selbstverständlich kein Problem. Dafür am besten eine Schüssel zur Hilfe nehmen, die Himbeeren vorsichtig im Wasser schwenken und in einem Sieb abtropfen lassen. 

Himbeeren eignen sich ausgezeichnet als Tortenbelag, peppen jeden Joghurt auf, bringen eine fruchtige Note in den Salat und sind auch pur eine echte Delikatesse. Wer seine Kids so langsam an das gesunde Obst gewöhnen will, fängt am einfachsten mit einer cremigen Kugel Eis an – da kann niemand Nein sagen.


Himbeere für Gscheidhaferl

„And the golden rasperry goes to ...“ Den Satz, den alle Schauspieler bei einer Oscar-Verleihung gerne hören würden, sorgt bei dieser Preisverleihung für regelrechte Schweißausbrüche. Die „goldene Himbeere“ wird bereits seit dem Jahr 1981 verliehen und ist ein gefürchteter Preis im Land der Stars und Sternchen. Nicht umsonst: Er ist der bekannteste Negativ-Filmpreis der Branche, der einen Abend vor den gefeierten Oscars verliehen wird. Ins Leben gerufen wurde er von einem Verehrer der Filmkunst namens J. B. Wilson, der offensichtlich für ein wenig Spott und Häme sorgen wollte. Ausgezeichnet werden unter anderem die schlechtesten Schauspieler(innen), die schlechteste Regie, die schlechteste Filmmusik und viele weitere schlechteste Darbietungen. Die ruhmverwöhnten Prominenten zeigen sich hier gerne scheu und nehmen ihren Preis selten selbst entgegen – mit wenigen Ausnahmen, zum Beispiel US-Schauspielerin Sandra Bullock. 

Warum die Himbeere mit ihrem guten Namen für den unbeliebten Award einstehen muss? Daran sind die Engländer Schuld. Unter der Redewendung „to blow a rasperry“ versteht man in England den  Ausdruck „ein Furzgeräusch mit dem Mund erzeugen“. Vor allem in London ist der „Cockney Rhymin slang“, bei dem unangenehme Wörter durch schönere Reime ersetzt werden, keine Seltenheit. Da kann aus einem „fart“ schon mal schnell eine „rasperry tart“ werden. Und da hatten die Promis nun den Salat – oder besser gesagt die Himbeere.