Die Kartoffel – Knolle mit Klasse

Erdapfel, Grundbirne, Krumbeere: Die Kartoffel besitzt nicht nur viele verschiedene Namen, sondern auch zahlreiche faszinierende Eigenschaften.
Die Kartoffelpflanze gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nur im schummrigen Mondlicht wächst. Der Begriff ist eine Abwandlung des Wortes „Nachtschaden“. Der Überlieferung nach soll der Verzehr dieser Gewächse, zu welchen unter anderem auch Tomaten, Auberginen und Paprika zählen, gegen nächtliche Albträume helfen.

Die tolle Knolle

Die Kartoffel ist heute – nach Getreide – unser wichtigstes Grundnahrungsmittel. Mit ihrem Reichtum an Kalium, Magnesium, Eisen, Zink und Phosphor deckt sie einen beachtlichen Teil wichtiger Nährstoffe ab. Neben hochwertigen Eiweißen enthält die Knolle die Vitamine C, B6, B1 und B3. Trotz ihres sättigenden Stärkeanteils besteht sie zu 78 Prozent aus Wasser. 

Von Südamerika nach Bayern

Die Kartoffel hat einen weiten Weg zurückgelegt: Ihre Wurzeln liegen in den südamerikanischen Anden. Dort wurde sie bereits vor rund 3.000 Jahren von den Inkas kultiviert. Spanische Konquistadoren brachten die Knolle im 16. Jahrhundert auf dem Seeweg nach Europa. Zunächst fand sie wegen ihrer schönen Blüte nur Beachtung in den botanischen Gärten, erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts erlangte sie größte Beliebtheit auf dem Speiseplan.

Rund ums Jahr verfügbar

Mit rund 40.000 ha Anbaufläche ist Bayern das zweitgrößte Kartoffelanbaugebiet Deutschlands. Die bayerische Kartoffel ist das ganze Jahr über erhältlich. Die Frühkartoffel gibt es bereits ab Mitte Juli, gefolgt von der Haupternte, die bis Ende Oktober dauert.
Eine Region, die sich über besonders fruchtbare Böden freuen darf, ist die Oberpfalz. Hier in Hagelstadt baut Landwirt Thomas Scheuerer in fünfter Generation Speisekartoffeln, Stärkekartoffeln und Pommeskartoffeln an. Das schönste an seiner Arbeit? „Man sieht am Abend, was man geleistet hat“, erklärt der Agrarwissenschaftler, bei dem der Spaß auf Hof und Feld stets im Vordergrund steht. Die Knollen sind bei ihm Teil einer Fruchtfolge mit Weizen und Zuckerrübe: „Die Kartoffel steht bei uns frühestens alle vier Jahre wieder auf demselben Feld“, betont der Agrarwissenschaftler.

Bayerische Kartoffel

Wer regionale Landwirte unterstützen und heimische Produkte kaufen möchte, kann auf das Gütesiegel „Bayerische Kartoffel“ achten. Da ist garantiert, dass die Knollen in Bayern angebaut und geerntet, sortiert und abgepackt oder zu Spezialitäten verarbeitet wurden. Hier mehr erfahren.

Auf die Sorte kommt es an!

Festkochende Kartoffelsorten:

… haben einen geringen Stärkegehalt.
… platzen beim Kochen nicht auf, sondern bleiben in Form.
… haben eine feste und feinkörnige Konsistenz mit Biss.
… eignen sich gut für Kartoffelsalat, Pell- und Bratkartoffeln.
… lassen sich im Supermarkt an der grünen Kennzeichnung erkennen.
… heißen z. B. Princess, Sissi oder Ditta.

Vorwiegend festkochende Kartoffelsorten:

… springen beim Kochen nur leicht auf.
… eignen sich gut für die Herstellung von Rösti, Pommes frites oder Salzkartoffeln.
… heißen z. B. Gala, Jelly oder Marabell.

Mehligkochende Kartoffelsorten:

… haben einen hohen Stärkegehalt.
… quellen beim Kochen auf und zerfallen anschließend locker.
… eignen sich für alle Gerichte, in denen sie gerieben oder gestampft werden.
… lassen sich im Supermarkt an der blauen Kennzeichnung erkennen.
… heißen z. B. Adretta, Melody oder Gunda.

Perfekt gelagert

Kartoffeln sollten nie zusammen mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Pfirsichen oder Bananen gelagert werden. Das Obst dünstet nämlich das Gas Ethylen aus, welches dazu führt, dass die Kartoffeln schneller keimen und vorzeitig runzelig werden.

Qualitätscheck

Wie gut die Qualität einer Kartoffel ist, lässt sich ganz einfach feststellen. Kartoffeln sollen schön erdig riechen und keine faulen Stellen aufweisen. Grüne Stellen oder Keime großzügig wegschälen. Sollten Kartoffeln zu lange im Keller liegen und schrumpelig werden, können diese ebenfalls ohne Probleme gegessen werden.


Kartoffel für Gscheidhaferl

Die buschige Staude der Kartoffelpflanze wird 30 bis 50 cm groß. Ihr größter Schatz jedoch verbirgt sich im Erdreich. Wie lang die Knolle bis zur Ernte in der Erde bleibt, hängt von der Sorte ab: Kultivierte Kartoffeln werden in frühe (90 bis 120 Tage), mittlere (120 bis 150 Tage) und späte (150 bis 180 Tage) Sorten unterteilt. Die wohl begehrteste Kartoffelsorte heißt La Bonnotte. Für ein Kilo werden auf Auktionen bis zu 500 Euro geboten. Das liegt daran, dass sie eine wahre Rarität ist, denn sie wird ausschließlich auf der französischen Insel Noirmoutier angebaut.
Die Kartoffelknolle passt sich relativ schnell ihrer Außentemperatur an: Ist es kälter als 4 °C, wird die Stärke in der Kartoffel in Zucker umgewandelt und sie wird süßlich. Bei einer Temperatur von über 8 °C fängt die Knolle an zu keimen. Die optimale Lagertemperatur beträgt daher 4–8 °C.
Die wichtigen Inhaltsstoffe der Kartoffel befinden sich unmittelbar unter ihrer Schale: Die dünne Außenhaut schützt die Nährstoffe und steigert den Ballaststoffanteil der Kartoffel.