„Wir haben die Aufgabe, unsere Natur zu schützen!“

Im idyllischen Oberallgäu, zwischen grünen Wiesen und Bergen, knapp 1000 Meter über dem Niedersonthofener See, lebt die Familie Schöll. Hier, im so genannten Rieggis, führen Anneliese und Franz in der 5. Generation einen Ferienhof mit fünf Ferienwohnungen und -appartements – kombiniert mit einem Bio-Heumilchbetrieb inklusive 36 Hektar Grünland sowie einer Araber-Zucht.

Bei so vielen Tieren und verschiedenen Bereichen auf dem Hof sind zwei Dinge unablässig: Eine klare Aufteilung und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, wann immer Hilfe benötigt wird.

Volle Unterstützung erhalten die beiden von Franz‘ Mutter Annelies (74), Sohn Kilian (10), Franz‘ Neffen Maximilian (18) und der 19-jährigen Lara. Und die benötigen sie auch. Denn neben den drei Standbeinen „Urlaub auf dem Bauernhof“, „Milchviehbetrieb mit Grünland“ und „Pferdezucht“ versorgen die Schölls auch noch einige Kleintiere, darunter 25 Hasen, zwei Mini-Shetlandponys, zwei Ziegen und einige Katzen.

Wenn Stadtkinder Kühe melken

Viel Arbeit also und eine große Aufgabe, die sich die Schölls zu eigen gemacht haben: Aufklärung!

„Unseren Gästen bieten wir an, am landwirtschaftlichen Leben teilzunehmen“, erklärt die 50-jährige Anne, und fügt hinzu: „Das wünschen wir uns auch, damit wir sie richtig aufklären können, z.B. wo die Milch herkommt oder wie man die Felder bewirtschaftet.“

Viele Erwachsene machen auf dem Hof der Schölls Urlaub, um einmal in der Landwirtschaft mitzuhelfen. „Gäste sagen oft, dass sie dadurch ihren Kopf wieder frei kriegen“, verrät Anne. Die Gästekinder haben die Möglichkeit, den Umgang mit Tieren zu lernen, sie zu versorgen und zu füttern. Sie lernen zu verstehen, was es heißt, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen – mit allem, was dazu gehört. „Das wissen viele Stadtkinder heutzutage ja gar nicht mehr“, sagt die gebürtige Rauhenzellerin. Verantwortung muss auch der eigene Nachwuchs übernehmen: So kümmert sich der 10-jährige Kilian alleinverantwortlich um die Hasen-Zucht. „Er züchtet die Hasen und verkauft auch welche, um Geld für das Futter reinzubekommen“, sagt Anne.

Neben den Kleintieren sind die wöchentliche Märchenstunde und vor allem das allabendliche Eintreiben der Kühe die Highlights auf dem Ferienhof. „Jeden Tag um fünf Uhr abends rufen wir alle Kinder zusammen, damit sie die Kühe in den Stall zurücktreiben. Sie dürfen dann natürlich auch mit in den Stall, die Tiere füttern und beim Melken mithelfen.“

Bio aus Überzeugung

Da ist Franz dann nicht „nur“ Landwirt sondern auch ein wenig Lehrer. „Die Berührungsängste der Kinder gegenüber den Tieren sind manchmal groß, aber am Ende hat noch fast jeder etwas Milch aus dem Euter bekommen“, erzählt Franz mit einem Lächeln, obwohl das Melken in dem erst 2016 komplett neu-renovierten hellen Laufstall normalerweise maschinell vonstatten geht.

Bei der täglichen Versorgung der 25 Kühe der Rasse Allgäuer Braunvieh hilft ihm auch Neffe Maxi – ebenso bei der Bewirtschaftung der 36 Hektar Grünland. Seit der Umstellung des Betriebs auf Bio-Heumilch ist dabei noch mehr Vorsicht geboten. „Besonders im Bio-Bereich muss man darauf achten, dass zum Beispiel das Unkraut nicht überhandnimmt“, erklärt Franz. Zu den weiteren Arbeiten im Landwirtschaftsjahr gehören Düngen, Zäune reparieren sowie die Heuernte und die Weidepflege.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, unsere Landschaft und Natur zu schützen und zu pflegen und im Einklang mit ihr zu leben“, erklärt Anne. „Deshalb betreiben wir aus tiefster Überzeugung biologische Landwirtschaft.“

Pferdezucht als Urlaubs-Ersatz

Die große Leidenschaft der Schölls ist die Zucht der Vollblut-Araber. Seit bereits 22 Jahren kümmert sich Franz um eine kleine Herde der eleganten Tiere, die derzeit aus sechs Stuten, einem Wallach, einem Junghengst sowie einem Fohlen besteht. „Die Leidenschaft zu den Pferden verbindet uns auch miteinander und bildet gleichzeitig unseren Ausgleich“, verrät Anne: „Anstatt in den Urlaub zu fahren, genießen wir gemeinsam die freie Zeit mit unseren Vierbeinern.“

Das Einreiten der jungen Araber teilen sich Franz und die 19-jährige Lara, die meist auch die Reitstunden für die Gästekinder übernimmt. Die Unterrichtsstunden auf den großen Pferden und den Shettys besitzen magische Anziehungskraft für die kleinen Gäste.

Auch Büroarbeit braucht ihre Zeit

Neben der Versorgung der Tiere und des Grünlands findet ein großer Teil der „landwirtschaftlichen“ Arbeit auch im Büro statt. Die gelernte Einzelhandelskauffrau Anne kümmert sich um die Pflege der Website, die Dokumentation der Landwirtschaft und um sämtliche Buchungen sowie diverse Gästeanfragen – nahezu ein Full-Time-Job.

Bereits seit 1970 können Gäste auf dem Hof der Schölls Urlaub machen. Nach dem Ausbau des alten Bauernhauses vermieten die beiden mittlerweile vier Ferienwohnungen und ein Apartment mit insgesamt meist 18 bis 20 Gästen – fast das ganze Jahr über. Lediglich an zwei bis drei Wochen im November lassen die Schölls ihre Ferienwohnungen frei, um nötige Renovierungsarbeiten und die alljährliche Grundreinigung durchzuführen.

„Die Hauptsaison geht von Mai bis zum 4. November. Der Winter ist zwar nicht mit dem Sommerandrang vergleichbar, wird aber immer besser angenommen. Schließlich haben wir hier auch unzählige Möglichkeiten für Wintersport vor der Tür“, sagt Anne mit einem Grinsen im Gesicht: „Ich habe selbst viele Jahre als Skilehrerin gearbeitet und stehe auch da gerne mit Rat und Tat zur Seite.“

„Für mich gibt’s nichts Schöneres“

Trotz aller Idylle: Einen Ferienhof zu betreiben, verlangt auch Opfer. So ist Urlaub nur ganz selten drin. Für den anstehenden Familienurlaub, den ersten seit 10 Jahren, springen Oma Annelies, Neffe Maxi und ein treuer Gast ein, der angeboten hat, sieben Tage lang das Ruder zu übernehmen. Auch ist „Privatsphäre“ für die Schölls eher ein Fremdwort – sie sind praktisch rund um die Uhr im Einsatz für Hof und Gäste.

Dennoch: Nach dem Neubau des Milchviehstalls, dem Ausbau des Bauernhauses und der damit verbundenen Vergrößerung des Gäste-Betriebes sind die Schölls mehr als zufrieden. Einzig die Pferdezucht möchte Franz nach den Jahren der verschiedenen Baumaßnahmen nun wieder etwas intensivieren.

„Es gibt viele Gründe, warum ich die Arbeit in der Landwirtschaft liebe. Zum einen liebe ich den Umgang mit den Tieren, denn sie geben einem ganz viel zurück – und mir Ruhe und Gelassenheit“, sagt Anne. Und fügt mit einem Lächeln an: „Doch mein Highlight ist das Gefühl, als Familie auch wirklich zusammen zu sein. Wir essen zum Beispiel jede Mahlzeit gemeinsam. Diese Möglichkeit hat man in „normalen“ Berufen oft nicht.“

Überhaupt sieht man Anne und Franz in jeder Sekunde an, dass sie ihre Arbeit mit Leib und Seele genießen. Man erkennt es daran, wie freundschaftlich sie mit den Gästen und wie fürsorglich sie mit den Gastkindern umgehen, und natürlich auch daran, wie hingebungsvoll sie die Tiere versorgen. Am Ende eines langen Tages erklärt Anne dann auch: „Wir haben eine Sieben-Tage-Woche, aber wir sind als Familie auch sieben Tage davon zusammen – und wenn das funktioniert, gibt es für mich nichts Schöneres!“