Was man braucht

Interessiert man sich für den abwechslungsreichen Beruf, der sich ausschließlich um unsere kleinen grau-gelb gestreiften Freunde dreht, braucht man laut Gesetz keinen vorgeschriebenen Schulabschluss. Ganz so einfach ist es aber meist trotzdem nicht: Im Jahr 2016 gab es insgesamt 24 Ausbildungsanfänger/innen, die zum größten Teil eine Hochschulreife beim Betrieb vorweisen konnten. Nur wenige hatten einen mittleren Bildungs- oder Hauptschulabschluss. Rein fachlich macht man als frisch gebackener Schulabsolvent schon mal einen guten Eindruck, wenn man sein Interesse an den Fächern Biologie und Mathematik beim Bewerbungsgespräch äußert. Auch auf körperlicher und persönlicher Ebene gibt es einige Dinge, die potentielle Bewerber für den Beruf als Tierwirt oder Tierwirtin mit Fokus auf Imkerei qualifizieren: Kraft muss man haben – die Bienenkästen tragen sich schließlich nicht von alleine – und ein starkes Immunsystem ist von Vorteil, da die Arbeit größtenteils in der Natur verrichtet wird. Robuste Haut und freie Atemwege können ebenfalls nicht schaden, da der Beruf sowohl Bienenstiche als auch Pollenstaub unweigerlich mit sich bringt. Kein Scherz: Vereinzelte Betriebe bestehen sogar auf einen ärztlichen Nachweis, dass der Bewerber nicht allergisch auf das Bienengift reagiert. Hinzu kommen die Charaktereigenschaften Einsatzbereitschaft – was zum Beispiel Arbeiten außer Plan beinhaltet –, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein. Ist der Imker-Anwärter ein selbstständiges Teammitglied, erkennt er Verhaltensauffälligkeiten bei seinen Schützlingen frühzeitig und kann umgehend darauf reagieren. Wer dann noch in handwerklichen Aufgaben begabt ist und auch technisches Verständnis zu seinen Kompetenzen zählt, ist so gut wie geboren für den Beruf als Imker/in.

Was man lernt

In der Regel dauert es drei Jahre, bis man sich in der bunten Welt der Bienen auskennt und die duale Ausbildung abschließt. Als Imker in spe fängt der Lernprozess bei der Tierhaltung an: Dazu gehört nicht nur die Erfassung der Zuchtdaten, sondern auch die kontrollierte Führung der Stockdaten, um die Leistung der fleißigen Bienen zu ermitteln. Zusätzlich muss er wissen, wie man Bienenvölker vermehrt und wie Königinnen aufgezogen werden. Dabei ist die besondere Herausforderung, dass die Königin und Drohne sich in der Luft paaren. Daher sorgen Imker an ausgewählten Standorten für einen Überfluss an Drohnen. An diesen Belegstellen werden dann die jungen Königinnen aufgestellt. Neben der Vermehrung ist die Gesundheitsvorsorge und die Behandlung von Bienenvölkern eine wichtige Aufgabe des Imkers. Dies gilt z.B. für die Amerikanische Faulbrut oder die Varroamilbe. Imker in Ausbildung lernen den Vorgang der Honiggewinnung, der aus Schleudern, Rühren, lebensmittelgerechter Abfüllung und Etikettieren der Honiggläser besteht sowie den hygienisch korrekten Umgang mit den Waben und die Fütterung der Tiere. Unerlässlich ist es, zu wissen, wo die Bienenvölker aufgestellt werden. Bei der Auswahl der richtigen Bienenweide muss nämlich nicht nur darauf geachtet werden, ob das Trachtangebot an Pollen und Nektar ausreichend groß ist, sondern auch, ob der Honig am Ende überhaupt schmeckt – auch davon ist der Standort abhängig. Während die Bienen in der Winterruhe sind, gibt es für einen ausgebildeten Tierwirt ebenfalls so einiges zu tun: Die Werkstatt wird auf Vordermann gebracht, Gerätschaften werden wieder flott gemacht und unerlässliche Reinigungsarbeiten, wie das Reinigen von Bienenkästen, werden durchgeführt. 

 

Wer denkt, das war schon alles, der hat sich getäuscht. Auch grundlegendes Bienenwissen wie „Warum ist die Biene überhaupt so wichtig für die Natur?“ und rechtliche Voraussetzungen für die ordnungsgemäße Haltung des kleinsten landwirtschaftlichen Nutztiers müssen sich die Lehrlinge aneignen. Schon mal was von Rentabilitätsrechnung gehört? Der angehende Imker auf jeden Fall – Verwaltungsaufgaben werden schließlich einmal einen festen Teil seines Berufsalltags einnehmen. 

Wie es weitergeht

Drei Jahre später und um einiges an Wissen reicher, ist der ausgebildete Tierwirt bereit für die Arbeitswelt. Gesetzt dem Fall, er sucht sich direkt einen Job bei einem Imkereibetrieb, kann er mit einem Bruttogehalt von rund 2.300 € rechnen. Außerdem hat er die Möglichkeit sich bei einem Bienenforschungsinstitut oder im Imkerfachhandel zu bewerben. Will der leistungsfähige Ausbildungs-Absolvent noch höher hinaus, bleibt ihm immer noch die Chance, eine vielversprechende Weiterbildung einzuschlagen. Zum einen gibt es die Option, sich innerhalb von zwei Jahren zum Tierwirtschaftsmeister/in mit Fokus Imkerei ausbilden zu lassen, um mehr Verantwortung in den Betrieben zu übernehmen und Leitungspositionen einzunehmen. Zum anderen kann auch ein Studium im Bereich Agrarwissenschaft oder (Agrar-)Biologie der nächste Meilenstein im Lebenslauf sein. Wer mit Leib und Seele Imker ist, für den ist die Selbstständigkeit eine schöne Alternative, die es sich lohnt in Betracht zu ziehen. 

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