Im Herzen Bayerns

Über insgesamt 2.400km2 erstreckt sich die beliebte Urlaubs- und Ausflugsregion, die sich in den letzten Jahren zu einem echten Geheimtipp entwickelt hat. Umgeben von der bayerischen Landeshauptstadt München, dem Auto-Mekka Ingolstadt und dem Universitätsstädtchen Regensburg ist die vielseitige Gegend nicht zuletzt dank ihrer historischen Sehenswürdigkeiten und dem abwechslungsreichen Aktivitätsangebot ein ideales Ausflugsziel. Besondere Attraktion und wichtige wirtschaftliche Einnahmequelle ist der Hopfen, der auf insgesamt 16.310 Hektar der Region angebaut wird. Dabei handelt es sich um das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt – nicht nur für deutsche Biergenießer ein wahres Paradies. Auch im Ausland, sogar in weit entfernten Ländern wie Russland, Japan und den USA sind der Hallertauer Hopfen und seine beachtliche Sortenvielfalt bekannt und begehrt.

Hol’ Er d’Auer!

Über die Herkunft des Namens Hallertau kursieren zahlreiche Versionen und Gerüchte und machen es schwer, den wirklichen Ursprung korrekt zu definieren. Am wahrscheinlichsten ist, dass die beiden althochdeutschen Wörter „Hardt“ für „Wald“ und „Helan“ für „verbergen“ miteinander kombiniert wurden und man vom „hal hardt“, also dem „Wald, der sein Innerstes verbirgt“  sprach. Das „au“ sollte wohl einfach ein schmeichelnder Zusatz sein. Mehr amüsant als wahrscheinlich ist dagegen die Legende vom Fürsten, der im Jahre 1313 in der Schlacht von Gammelsdorf in Bedrängnis geriet. Er soll  nämlich mit den Worten „Hol’ Er d’Auer“ verzweifelt um Hilfe gerufen haben. Daraus wurde dann später angeblich die „Hallertau“.

13 Jahrhunderte Hopfenanbau

Bis heute sind sich die Orte Geisenfeld und Gründl nicht darüber einig, wer denn nun eigentlich das erste Kapitel der Hopfengeschichte geschrieben hat. In einigen Erzählungen wird berichtet, dass ein slawischer Volksstamm im Jahr 736 den ersten Hopfengarten angepflanzt hat – in Geisenfeld. So richtig ins Rollen kamen der Anbau und der damit verbundene Gewinn allerdings erst um das Jahr 1900: Da war klar geworden, dass man mit der Hopfenpflanze, die längst ein international gehandeltes Gut war, einen eigenständigen landwirtschaftlichen Sektor aufbauen konnte. Die Einwohner begannen den Hopfenanbau professionell voranzutreiben. Die Arbeit der Hopfenpflanzer entpuppte sich allerdings als höchst anstrengend und zeitintensiv. So kam es, dass nach und nach Maschinen die Aufgaben der „Hopfenzupfer“ übernahmen, die bis dahin die traditionellen Familienbetriebe bei ihrer Arbeit unterstützten. Seit 1967 wird der Hopfen komplett maschinell geerntet. Das Hopfenandrehen im Frühjahr ist nach wie vor mühsame Handarbeit. Deshalb strömen immer noch zahlreiche Aushilfskräfte in die Hallertau.

Die Zukunft der Bierseele

Zartes Bitteraroma und eine beachtliche Schaumkrone – ohne den Hopfen wäre ein Bier eben einfach kein Bier. Kein Wunder, dass man die Zutat in Kennerkreisen auch die „Seele des Bieres“ nennt. Nicht zufällig heißt es ja auch: Hopfen und Malz – Gott erhalt’s. Doch geschenkt wird den Hopfenbauern in der Hallertau nichts, die internationale Konkurrenz ist stark. Da heißt es, bei der Sorteninnovation Mut zu beweisen, um Qualität und Preis des kostbaren Gutes zu erhalten oder zu steigern. Dabei ist die erfolgreiche Kreuzung verschiedener Sorten ist kompliziert und schwierig. Eines ist dafür deutlich einfacher geworden: Während man früher noch die Hopfendolden als Ganzes verschiffen musste, ist heute der Großteil der Brauereien auf Pellets und Extrakt umgestiegen. Die handlichen Verpackungen können entsprechend der gewünschten Aroma- und Bitterstoff-Verteilung des Käufers unterschiedlich zusammengestellt werden und reduzieren das Transportgewicht enorm.

Gute Qualität 2017

Zugegeben: Ernte-Rekorde werden im Jahr 2017 in der Hallertau wahrscheinlich nicht gebrochen. Statt der beeindruckenden Zahl von 739.000 Zentnern, die 2016 auf 15.500 Hektar Fläche geerntet wurden, rechnet man dieses Jahr nur mit 677.000 Zentnern – auf einer Fläche von 16.310 Hektar. Obwohl die Witterungsverhältnisse in den sonst so heißen Sommermonaten dank reichlich Regen und angenehmen Temperaturen eigentlich vorteilhaft waren, mussten Schäden durch Welke und Hagel hingenommen werden. Nichtsdestotrotz haben die Familienbetriebe, die das grüne Gold anpflanzen, Grund zur Zuversicht: Die Experten vom Verband der Deutschen Hopfenpflanzer sind sicher, dass die zu erwartende Qualität der Ernte erstaunlich gut sein wird und die Bestände nicht mit Krankheitsbefall zu kämpfen haben. Alles in allem: Es hätte schlimmer kommen können. 

Schmankerl aus der Region

Man muss kein Bierfan sein, um in der Hallertau auf seine kulinarischen Kosten zu kommen – denn Hopfen ist in der Küche unerwartet vielseitig einsetzbar. So kann man ihn beispielsweise als würzige Creme in kräftiger Zartbitterschokolade, als süße Versuchung in Pralinenform oder als hochprozentigen Likör mit schwungvollem Abgang genießen. Und auch wer es herzhaft mag, ist hier genau richtig: Das feine Aroma des Hopfens verleiht der Hallertauer Hopfenwurst aus Rind- und Schweinefleisch ihren besonderen Geschmack, der sie zu einer ausgefallenen Spezialität aus der Region macht. Sehr beliebt sind die drei Kulinarikwochen in der Hallertau: Die Spargelwochen im Frühjahr, die Hopfen- und Bierwochen im Sommer und zur Erntezeit sowie die Hallertauer Wildwochen im Herbst!

Kein Bier vor vier!

Das erste Bier des Tages muss man sich natürlich erst mal verdienen – mit sportlichen Aktivitäten oder einer ausführlichen Sightseeingtour zum Beispiel. Zum Glück ist es ziemlich einfach, sich in der Hallertau zu beschäftigen: Besucher können zwischen einer Wanderung am Erlebnispfad „Hopfen und Bier“, einer Rundfahrt auf der Hallertauer Hopfentour oder einem Tag im Wakeboard- und Wasserskipark in bei Geisenfeld wählen. Immer einen Ausflug wert sind der Besuch von Kloster Weltenburg bei Kelheim, eine Führung im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach, die Besteigung des Kuchlbauer Turms in Abendsberg und vielen weitere Aktivitäten. Wer so richtig ins Thema Hopfen einsteigen möchte, der ist bei einer Hopfenerlebnisführung auf dem Hof einer Hopfenbotschafterin richtig! Nicht nur rund ums Bier, sondern weit über die heiß geliebte „Hopfenkaltschale“ hinaus lässt sich in der Hallertau jede Menge entdecken und erleben.