„Ich bin der Chef“

In der dritten Generation betreibt Landwirt Bernhard Schedl nun seinen Hof in Bärnau, im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth. Von 1903 bis 2007 verdienten Schedl und seine Vorfahren ihren Lebensunterhalt mit der Milchviehhaltung. 1990 kamen die Erdbeeren dazu, im Jahr 2007 entschied sich Bernhard Schedl schließlich für die Hähnchenmast und gab die Milchviehhaltung auf.
„Mittlerweile haben wir einen Vollerwerbsbetrieb mit Hähnchenmast, Erdbeeren, ein paar Heidelbeeren und Ackerbau“, erklärt der Bauer, der mit seinen beiden Kindern und seiner Lebensgefährtin auf dem Hof lebt: „Ich bin der Chef.“

Doch nicht mehr lange. Denn in den nächsten Jahren möchte sich der 54-Jährige nach und nach in den Ruhestand verabschieden und seinem Sohn Niko das Ruder übergeben.
Der „Junior“, wie ihn Bernhard immer wieder stolz nennt, studiert derzeit Landwirtschaft in Triesdorf und ist schon jetzt aktiv am Geschehen beteiligt. Sein Bereich ist der Ackerbau, Bauer Bernhard kümmert sich mit seiner Lebenspartnerin um Büroarbeit und Verwaltung, die Beeren und vor allem die Hähnchen.

Keine Antibiotika, dafür viel Beschäftigung

In drei Ställen mit je knapp 40.000 Tieren hat der Landwirt schließlich alle Hände voll zu tun. Der Arbeitstag beginnt nach einem Kaffee gegen 7 Uhr.
„Wenn wir morgens in den Stall gehen, beginnen wir mit einem Blick auf den Computer. Damit können wir kontrollieren, ob und wie viel die Tiere gefressen und getrunken haben. Wir messen die Temperatur, den Unterdruck, die Lüftung – das gesamte Stall-Klima eben“, erklärt Bernhard Schedl.
Danach folgt der Gang in die Ställe, in denen Technik und Tier nochmals persönlich überprüft werden. „Wir kontrollieren die Gesundheit und das Verhalten der Hähnchen – und beurteilen mögliche Auffälligkeiten.“
Um den Tieren in den 32 bis 39 Tagen, die die Hähnchen auf dem Hof der Schedls sind, das Leben so angenehm wie möglich zu machen, hat der Landwirt schon vieles ausprobiert. Derzeit befindet sich Beschäftigungsmaterial in Form von Strohballen oder Picksteinen in den Ställen. Aber da gehen Schedl und seiner Familie die Ideen nicht aus.
Antibiotika werden auf dem Hof der Schedls nur in äußersten Notfällen wie zum Beispiel schwerer Krankheit eingesetzt. Konkret heißt das: Der Landwirt hat im vergangenen Jahr überhaupt kein einziges Tier mit Antibiotika behandelt – trotz der großen Anzahl der Hähnchen. „Darauf sind wir stolz“, sagt Schedl.
Mit der Teilnahme an den hochwertigen Siegeln „Futter ohne Gentechnik“, „Geprüfte Qualität“ und „QS“ unterwirft er sich neben den Wiesenhof-Richtlinien gerne weiteren Vorgaben und strengen Kontrollen, die zum Wohl der Tiere sowie zur Qualität des Fleisches beitragen.
„Wir Landwirte sind bei der täglichen Arbeit gerne bereit, noch viel mehr für das Tierwohl zu tun, wenn der Handel und der Verbraucher dies wünschen – und bezahlen.“

Nachhaltig und fruchtbar

Du bist, was du isst – das gilt natürlich auch für die Hähnchen. Weizen, Mais, Soja und Mineralien stehen auf dem Speiseplan der Tiere.
„Je nachdem wie sich die Hähnchen entwickeln, fügen wir unseren eigenen Weizen hinzu. Mal mehr, mal weniger“, erklärt Schedl.
Auf rund 30 Hektar in der direkten und näheren Umgebung des Hofs bauen  die Schedls ihren Weizen selber an.  Mit einer fünfgliedrigen Fruchtfolge mit Raps, Ackerbohnen, Wintergerste, Mais und  Erdbeeren achten der Landwirt und Sohn Niko darauf, dass die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig erhalten bleibt. Mit dem Mist der Hähnchen düngen die Schedls ihre Felder und haben so bereits einen guten Kreislauf, in dem sie nur noch wenig auf externe Produkte angewiesen sind.

Ein eigener Brunnen als Versorgungsquelle

Ganz ohne fremde Hilfe geht es bei der täglichen Arbeit aber natürlich nicht. Zu einem befreundeten Ehepaar aus der Nachbarschaft, das auf Teilzeit-Basis angestellt ist und Bernhard das ganze Jahr über unterstützt, kommen gerade zur Erdbeer-Ernte noch Saisonarbeiter dazu.
Vollautomatisch läuft dagegen die Futter- und Trinkanlage für die Hähnchen. „Wasser bekommen die Hähnchen in acht sogenannten Tränkelinien pro Stall, in der bei jeder einzelnen der Druck separat eingestellt werden kann“, erklärt Schedl. „Das Wasser beziehen wir aus einem eigenen Brunnen.“
Ebenso automatisch funktioniert die Überwachung des Klimas, der Heizung und Lüftung sowie der Waage, damit der Bauer das Wachstum und den Gewichtszuwachs der Tiere regelmäßig kontrollieren kann.
„Auf die reine Gewichtszunahme der Hähnchen legen wir allerdings keinen Wert. Im Vordergrund steht ein homogenes Wachstum der Hähnchen. Wir möchten den Tieren in der Zeit, die sie bei uns sind, ein schönes Leben bereiten“, sagt Schedl.

Der Blick geht gen Zukunft

Neben den alltäglichen Aufgaben, Freuden und Überraschungen, die das Leben auf dem Hof und die Arbeit mit den Tieren mit sich bringen, hat Schedl mit dem öffentlichen Erscheinungsbild, den Vorurteilen gegen die Hähnchenmast sowie dem Strukturwandel zu kämpfen.
„Die Meinung zu Tierhaltung und Fleischerzeugung ist in der großen gesellschaftlichen Diskussion. Vor allem die Tierhaltung wird immer stärker hinterfragt“, weiß Schedl. „Aber wir haben nichts zu verbergen. Wir überlegen sogar, eine Kamera in den Stall einzubauen, damit jeder Interessierte die Haltung der Tiere auf einem Bildschirm an der Außenwand des Stalls beobachten kann.“
Doch auch diese Herausforderungen können  Bernhard Schedls Freude und sein Bemühen um das Wohl der Tiere nicht schmälern.
Das letzte Wort überlässt er dann aber seinem Junior. „Für die Zukunft möchte ich den Weizenanbau erweitern, damit wir irgendwann das komplette Futter für den Betrieb selbst erzeugen können“, sagt Niko – und man sieht, dass er sich darauf freut. Darauf freut, den Hof in der vierten Generation weiterzuführen.