Riviera des Frankenwaldes

30 Grad im Schatten, strahlender Sonnenschein, trockener Boden: perfekte Bedingungen für einen erfolgreichen Erntetag. Den reifen Ähren der Gerste geht es heute an den Kragen. Klaus Siegelin, 43, aus Küps im Landkreis Kronach macht sich gemeinsam mit seinem Vater Gerhard, 76, schon frühmorgens auf den Weg in Richtung Feld. Gemeinsam führen sie den Betrieb im Ortsteil Tiefenklein, der bereits 1704 namentlich Erwähnung fand. „Auch wenn wir uns hier an der sogenannten Riviera des Frankenwaldes befinden – die Witterung lässt sich nicht bestellen“, so der gelernte Landwirt. Klaus und Gerhard Siegelin müssen den Tag nutzen und die Winterfrucht einholen, sonst kann es schnell passieren, dass die Arbeit von einem Jahr an nur einem Tag zunichte gemacht wird – und das hätte drastische Auswirkungen für ihren kompletten Betrieb.

Müsli für die Schweine

„Durch die effektive Nutzung der Winterfeuchtigkeit sind die Erträge höher und die Nährstoffe günstig“, betont Klaus Siegelin. Er verwendet die geschrotete Gerste als Futtermittel in seiner Schweinewirtschaft. Seit 1992 sind die Siegelins Ferkelerzeuger, seit 2013 besitzen sie einen Mastbetrieb mit aktuell rund 200 Muttersauen und 500 Mastplätzen – und die Tiere haben Hunger.  Dank ihres hohen Rohfasergehalts ist die Gerste die perfekte Grundlage für die Futtermischung. Denn gerade den Muttersauen liefert das Getreide die notwendigen Ballaststoffe und sorgt für eine gute Verdauung. Da nur einmal im Jahr geerntet wird, die Schweine jedoch tagtäglich ihre Ration „Müsli“ benötigen, muss das Getreide lagerfähig sein. Für ein perfektes Ergebnis muss Klaus Siegelin bereits frühzeitig entsprechende Vorkehrungen treffen. „Denn nach der Ernte ist vor der Ernte“, so der Landwirt.

Pflanzenschutz durch Fruchtfolge

Neben 6,5 t Gerste ernten die Siegelins über das Jahr hinweg auch rund 8,5 t Weizen und 3,5 t Raps – ein guter Ertrag, sodass der Bauer nur wenig Futtermittel für seine Tiere zukaufen muss. Beim Anbauprozess werden die Felder, verteilt auf rund 80 Hektar Gesamtfläche, jedoch nicht zeitgleich bepflanzt. Mitte August wird Raps gesät, ab September die Wintergerste, Anfang Oktober erst der Winterweizen. Die hofeigene Gülle wird mehrmals im Jahr als Grunddünger auf den eigenen Feldern ausgebracht. Diese sogenannte Fruchtfolge ist wichtig für den Pflanzenschutz. „Seit zehn Jahren bearbeiten wir die Böden pfluglos“, so Klaus Siegelin. „Regen und Schnee können dadurch langsamer in den Boden sickern, anstatt einfach abzufließen und Boden mitzunehmen. Auch der Humusgehalt hat sich dadurch merklich verbessert.“

Futter auf Vorrat

Nach dem Dreschen werden Gerste, Weizen und Raps in der Annahme abgekippt, gereinigt und gewogen und anschließend in Silos gelagert. „Dabei ist die richtige Belüftung wichtig“, betont der Landwirt, „damit keine Schädlinge ansetzen.“ Ein Teil des Getreides wird mit Säure konserviert und somit für ein Jahr lagerfähig gemacht. „Der Feuchtigkeitsgehalt muss dabei gering bleiben“, weiß Siegelin. Gerste und Weizen dürfen maximal 15 % Feuchtigkeit aufweisen, Raps sogar nur höchstens 9 %. Bereits ab dem Dreschvorgang werden Gerste, Weizen und Raps als Lebensmittel bezeichnet, daher wird der Betrieb der Siegelins stichprobenartig vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kontrolliert. Den geernteten Raps verkauft Klaus Siegelin, der auch Vorsitzender der Rapserzeugergemeinschaft Oberfranken ist, über Landhandel zur Produktion von Öl weiter. Das Getreide wird in der hofeigenen Mühle vor dem Füttern geschrotet.

Stichtag Schützenfest

Neben der Bewirtschaftung des Ackerbau- und Schweinebetriebs ist Klaus Siegelin dreifacher Familienvater. Die Töchter Marie, 16, Ina, 13, und Luisa, 10, sind sein ganzer Stolz, doch er betont: „Ohne meine Frau Michaela geht es nicht. Sie hält mir den Rücken frei und managt meine privaten Termine.“ Umso wichtiger ist das gemeinsame Mittagessen: Klaus Siegelins Mutter Frida, 74, kocht täglich für die komplette Familie. Ein Wochenende kennt die Landwirtschaft nicht – doch eine Faustregel gilt bei den Siegelins: Spätestens bis Mitte August zum Schützenfest in Kronach muss die Ernte eingeholt sein – denn dann wird gemeinsam auf ein hoffentlich erfolgreiches Jahr angestoßen und das kommende eingeläutet. Schließlich steht die Rapsaussaat bereits kurz bevor.

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Der Ackerbau stellt die Landwirte heutzutage vor vielerlei Herausforderungen. Immer höhere Erträge und Qualitäten müssen erzielt werden, die Kapazität der Natur aber ist erschöpft. Dabei soll nachhaltig gewirtschaftet werden – ohne die Anreicherung von Schadstoffen.
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