Vom Kälbchen bis zum Bullen: Franzi hat sie alle im Griff

Eine junge Frau und Bullenmast? Das mag im ersten Moment etwas merkwürdig klingen. Doch wer Franziska Klenkert kennenlernt und sieht, wie sie mit den Kälbern und auch den massigen Bullen umgeht, weiß: Das passt!

Am Hof der Klenkerts hat Franziska die Zügel fest in der Hand und ihre knapp 600 Kälber und Bullen im Griff. In Ettleben im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt führt sie gemeinsam mit ihren Eltern einen Bullenmastbetrieb – und das bereits in der vierten Generation. Und den nächsten Generationenwechsel haben Vater Hubert (58) und Mutter Rita (54) bereits eingeleitet. 

So kümmern sich die Eltern „nur noch“ um die knapp 90 Hektar Ackerfläche. Die Aufzucht und Mast der aktuell knapp 600 Tiere, die in insgesamt sechs Ställen untergebracht sind, liegen komplett in Franziskas Verantwortung. „Wobei wir uns natürlich auch gegenseitig helfen“, erklärt die 25-Jährige. Das gilt auch für die Gemeinschafts-Biogas-Anlage in der Nähe, zu der die Klenkerts die Gülle aus den Ställen sowie den angebauten Mais liefern und die eine Klinik in der Nähe sowie das örtliche Schwimmbad mit Strom versorgt.

Nicht jeder Plan geht auf

Ein typischer Tag beginnt für Franziska zwischen sieben und acht Uhr mit dem ersten Gang in die Kälber-Ställe. „Dann werden zuerst die ganz jungen Tiere versorgt“, erzählt die Landwirtschaftsmeisterin: „Das sind ja die Betreuungs-intensivsten Tiere im Betrieb.“

Danach geht es zum Silo, das sich etwas außerhalb des Hofes befindet, um dort das Futter für den Tag zu mischen. In den verschiedenen Zusammensetzungen werden die Futtermischungen dann den Kälbern in den vier Ställen sowie den älteren Tieren im Vormast- und Endmast-Stall vorgelegt.

Mittags stehen neben einer weiteren Fütterungsrunde Feldarbeit und alle anderen auf dem Hof anfallenden Aufgaben wie Büroarbeit und Dokumentationen, aber auch Reparaturen an Ställen und Geräten an.

Gegen 17 Uhr geht Franziska dann nochmals zum Füttern durch die verschiedenen Ställe.

Zu jedem Stallbesuch gehört der obligatorische Gesundheits-Check aller Tiere. Bei den jungen Kälbern geht das vom Tasten des Nabels über Streicheleinheiten bis zur Kontrolle des Tränkestands. Bei den älteren Bullen wird neben dem Futter v. a. auch der Gesundheitszustand kontrolliert:  Bewegen sich alle Tiere normal, wie sieht das Fell aus und wie ist das Verhalten der Bullen untereinander?

„Die größte Herausforderung in der täglichen Arbeit ist, dass jeder Tag unterschiedlich ist“, sagt Franziska. „Man hat zwar einen groben Plan was man erledigen will am Tag, aber irgendwie kommt es dann doch meistens anders – wenn  das Wetter einfach nicht passt, eine Maschine kaputt geht oder im schlimmsten Fall ein Tier krank wird.“

Meditation im Bullen-Stall

Bei der Bullenmast kommt neben der Gesundheit der Tiere dem Futter die größte Bedeutung zu. „Die Futtergrundlage in der Bullenmast ist der Silomais. Da ist entscheidend, dass man einen qualitativ hochwertigen Silomais mit einer hohen Energiedichte verwertet“, erklärt die stellvertretende Kreisbäuerin. „Des Weiteren füttern wir den Tieren Zuckerrüben-Pressschnitzel, das ist ein Abfallprodukt der Zuckerherstellung und sehr schmackhaft. Es verhindert eine Übersäuerung des Pansens, was bei Bullen schnell zu Klauen-Problemen führen kann.“

Zusätzlich bekommen die Tiere Kraftfutter, das sich aus Körnermais, Gerste, Soja- und Raps-Extraktionsschrot, Mineralfutter und Stroh als Ergänzung zusammensetzt.

Während Franziska Klenkert beim Futter die Mischungen dem Alter der Tiere und anderen Gegebenheiten anpasst und optimiert, sind andere Parameter genau vorgeschrieben.

„Die Fläche für die Tiere ist gesetzlich nach Alter und Gewicht festgelegt. Schließlich haben Kälber und Bullen natürlich einen unterschiedlich großen Platzbedarf“, erklärt Franziska. „Auch die Schlitzweite des Spaltenbodens ist vorgeschrieben. Der Einsatz der  Futtermittel, die Futtermengen ebenso wie mögliche Antibiotikabehandlungen müssen ebenfalls genau dokumentiert werden. Auch Alarmanalagen in den Ställen sind vorgeschrieben. So dass ich, wenn beispielsweise die Lüftung ausfällt, schnell handeln kann und die Tiere nicht zu Schaden kommen.“

Nach jeder Fütterung steht sie oft lange in den Ställen und beobachtet ihre Tiere. Auf dem Hof der Klenkerts hat zwar nicht jeder Bulle einen Namen, jedoch kennt Franziska jedes Tier und deren Eigenheiten.

„Wenn ich durch den Stall gehe und alle gemütlich vor sich hin schmatzen, hat das etwas Meditatives für mich“, sagt sie und lacht.

„Wie pubertierende Jungs“

Bei den Jungtieren fällt in den ersten Wochen, nachdem sie auf dem Kälbermarkt ersteigert wurden, die meiste Arbeit an.

In den ersten Tagen nach Ankunft der Kälber bedeutet das für die Landwirtin, dass sie viele Stunden im Stall verbringt und die Tiere einzeln nach und nach immer wieder in den Tränkestand führt und ihnen zeigt, wo und wie sie ihre Milch bekommen. Via Chip am Halsband erkennt der Milchautomat, welches Tier wie viel getrunken hat. So kann auch Franziska sehen, bei welchem Kälbchen sie möglicherweise am Tränkestand noch unterstützen muss.

„Je nachdem wie viele Kälber ich im Stall habe, dauert es am Tag vier bis sechs Stunden, bis alle Kälber das erste Mal angetränkt sind“, erklärt Franziska Klenkert. Für die ganz jungen Tiere ist die Milch schließlich die wichtigste Futterquelle.

Im Alter von etwa sechs Monaten und mit einem Gewicht von 200 bis 220 Kilo kommen die Kälber dann in den Vormast-Stall. Dort werden sie nach der Größe sortiert und in Gruppen von 25 Tieren eingeteilt. In den ersten Tagen nach dem „Umstallen“ legt Franziska nochmals ein ganz besonderes Augenmerk auf die Tier- und Futter-Kontrolle, da dies „eine kritische Phase ist, in der die Tiere krank werden können.“

Im Vormast-Stall werden die heranwachsenden Bullen rund vier Monate gehalten, bis sie ein Gewicht von etwa 300 bis 350 Kilo erreicht haben. Dann werden die Tiere mit dem LKW zum Endmast-Stall knapp einen Kilometer außerhalb der Ortschaft transportiert. Dort bleiben die Tiere in ihrer 25er Gruppe, damit keine Rangkämpfe entstehen.

„Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man den Tieren beim Wachsen zusehen kann. Wenn es meinen Tieren gut geht, geht es auch mir gut“, sagt Franziska mit Blick auf die massigen Tiere. In die Ställe der ausgewachsenen Bullen geht sie allerdings nicht mehr allein. „Da muss man höllisch aufpassen. Das sind schon richtige Brocken – und vom Alter vergleichbar mit pubertierenden Jungs“, erklärt sie. Wenn ein Tier nicht gut frisst oder der Verdacht auf eine Krankheit besteht, gehen Franziska und ihr Vater gemeinsam in die Stallbucht und schauen sich die Tiere genauer an. Je nach Schwere der Verletzung oder Krankheit ist die Tierärztin direkt zur Stelle.

Im  Endmast-Stall bleiben die Bullen dann bis zu ihrem Schlachtalter von rund 18 Monaten und einem Gewicht von rund 700 Kilo.

Die Qualität stimmt nachweislich

Zu „kämpfen“ hat Franziska Klenkert  weniger mit den Tieren, Krankheiten oder anderen Unwägbarkeiten, die ein Beruf in der Landwirtschaft so mit sich bringt.

„Die größte Herausforderung unserer Branche ist die gesellschaftliche Akzeptanz“, gesteht die 25-Jährige.

Für die Landwirtin ist es wichtig, dass der Verbraucher weiß, dass sie verantwortungsvoll gute Produkte erzeugt. Vor allem auch im konventionellen Bereich: „Es ist nicht so, dass konventionell schlecht und bio  automatisch gut ist. Ich habe noch kein besseres Fleisch als das von unseren Tieren gegessen.“

Darum steht für Franziska Klenkert fest: „Wir sind nicht die Bösen. Im Gegenteil, wir produzieren Lebensmittel unter strengen gesetzlichen Vorschriften und Kontrollen, sei es durch das Veterinäramt, das Landwirtschaftsamt, durch CC-Kontrollen, das QS-Programm oder sonstige Kontrollen.“

Ihr Ziel ist es auch, dem Verbraucher zu zeigen, was hinter dem Beruf steckt, was sie und ihre Kollegen alles für das Wohl der Tiere tun. Dass sie rund um die Uhr für die Tiere da ist. Da sind auch Nachtschichten keine Seltenheit, wenn es einem Tier schlecht geht.

Verbraucher entscheiden über Qualität

Den Vorbehalten gegenüber der Massentierhaltung begegnet die Landwirtin mit klaren Worten. „Was ist Massentierhaltung? Ab wie viel Tieren kann man von Massentierhaltung sprechen? Ich persönlich sehe und fühle mich nicht als Massentierhalterin“, sagt sie: „Meinen Tieren geht es gut und sie fühlen sich wohl.“

Das Problem ist dabei vor allem der Preisdruck. „Wenn der Verbraucher im Verhältnis nicht viel für die Produkte zahlen will, muss der Landwirt in größeren Betriebseinheiten produzieren – schließlich hängen davon Existenzen ab, ganze Familien müssen von dem Ertrag eines Hofes leben.“

Franziska, die sich auch in der Bayerischen Jungbauernschaft engagiert, sieht dennoch positiv in die Zukunft. Weil sie sich ihren Beruf liebt – und jeden Tag bereit ist, alles für Ihre Tiere zu geben.