"Ich lebe meine Leidenschaft"

6 Uhr morgens, es ist noch dunkel und das Lächeln im Gesicht des Landwirts, der uns empfängt, für die Uhrzeit schon ziemlich breit und ansteckend. Denn Bio-Milchbauer Josef Frank liebt sein Leben als Landwirt. Gemeinsam mit seiner Frau Petra (50), seinen Kindern Anna (8) und Manuel (23) umsorgt der 49-Jährige seine rund 85 Bio-Milchkühe, 50 Jungrinder und 50 Hühner in Neuenried im schönen Ostallgäu. Die Aufgabenverteilung bei den Franks ist einfach: Petra und Josef sind jeweils zur Hälfte mit dem Melken beschäftigt, der Junior übernimmt das Füttern bzw. kümmert sich um die Mischung und Portionierung der Futterrationen. Auch bei der Tierpflege, der Gesundheitskontrolle, der Aufzucht der Kälber sowie der Bewirtschaftung der 65 Hektar Grünland geht Sohn Manuel seinem Vater zur Hand. Zwei Pferde sowie die Legehennen sind Petras Leidenschaft, der Verkauf der Eier ab Hof wird ebenfalls von ihr abgewickelt. 

Bio aus Überzeugung

Der Chef auf dem Hof ist Josef seit 1994, als er den konventionell arbeitenden Betrieb mit 23 Milchkühen der Rasse Braunvieh übernahm. Doch es dauerte nicht lange, bis er wenig später das "Projekt Bio" in Angriff nahm und bereits 1998 auf ökologische Landwirtschaft umstellte. Seitdem hat er seinen Betrieb stetig weiterentwickelt und vergrößert. Mittlerweile sind es rund 135 Kühe und Jungtiere der Rassen Braunvieh und Holstein-Friesian. Bei etwa 80 Kälbchen pro Jahr geht ihm die Arbeit nie aus. Die Auflagen zur Bio-Produktion sind streng, die Kontrollen angekündigt wie unangekündigt regelmäßig. Doch nicht erst seit dem Neubau des Kuhstalls 2002 haben die Tiere bei den Franks viel Licht, Platz und jede Menge Einstreu in den verschiedenen Bereichen.

"Außerdem dürfen sie das Sommer-Halbjahr von Anfang Mai bis Ende Oktober auf die Weide", erklärt Josef. "Jegliches Futter ist zu 100% aus ökologischer Herkunft, teils aus Eigenanbau und teils Zukauf von anderen Bio-Betrieben."

Hier ist Handarbeit gefragt

Ein typischer Arbeitstag beginnt bei den Franks mit der Tierkontrolle um 6 Uhr früh. Anschließend werden die 85 Milchkühe durch den Melkstand getrieben. Damit sind Josef und Petra etwa zwei Stunden beschäftigt. Anschließend können die Kühe auf die Weide. Währenddessen wird der Melkstand gereinigt, diverse Lauf- und Liegeflächen gesäubert und neu eingestreut. Und auch das Futter wird nachgeschoben. Teil der Bio-Philosophie ist natürlich, dass die Franks keinen chemischen Dünger und Unkraut-Bekämpfungsmittel verwenden. Die Unkrautvernichtung findet mechanisch oder auf dem Grünland per Hand mit dem Ampfer-Stecher statt, was neben der Hege und Pflege der Tiere ebenfalls sehr zeitaufwändig ist. „Irgendwo muss fast immer gemäht und Heu eingefahren werden“, erklärt Josef. Jedoch produzieren Josef und Petra Bio aus tiefster Überzeugung, darum ist keine Hürde zu groß. 

Chef und Ehemann

Neben all der Freude und den positiven Umständen, die ein Leben als Bio-Landwirt mit sich bringt, verschweigt Josef Frank aber auch nicht die Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten seines Alltags.

"Wie bei jedem Tierhalter ist die psychische Belastung schon hoch – schließlich muss man sich 24/7 um seine Tiere kümmern. Bei Kälbchen-Geburten oder kranken Tieren auch gerne mal mitten in der Nacht", erklärt der gebürtige Allgäuer. Dass sich die Tiere auf dem Hof wohl fühlen, ist nicht zu übersehen. Mit einem Lebensalter von bis zu 15 Jahren lässt sich dies auch an Zahlen festmachen. Doch nicht nur die Tierpflege, die jährlich maximal nur einen kleinen Urlaub zulässt, und die Bewirtschaftung eines Betriebes in dieser Größe fordert Josef täglich. "So schön es ist, jeden Tag mit der Familie mehrere Mahlzeiten einzunehmen und vor allem sehr viel Zeit zu verbringen, die enge Verbundenheit von Familie und Betrieb ist als Unternehmer und gleichzeitig Ehemann und Vater manchmal gar nicht so einfach", sagt Josef über die Zusammenarbeit mit Frau Petra sowie dem 23-jährigen Sohn Manuel.

Ein Kuhversteher bei der Arbeit

Für die Zukunft wollen die Franks die Milchviehhaltung nach Möglichkeit noch erweitern: Zum einen dem Strukturwandel in der Landwirtschaft gerecht zu werden. Zum anderen müssen aufgrund der engen Generationsfolge bald Einkommen für zwei Familien generiert werden. Denn auch Sohn Manuel ist seit seinem Abschluss als Landwirtschaftsmeister voll in den Betrieb miteingestiegen – in ein Leben, das sein Vater für nichts in der Welt eintauschen würde.

"Ich persönlich bezeichne mich als Kuhmensch, als Kuhversteher. Ich interessiere mich für Kühe und deren Verhalten – und darum liebe ich meinen Beruf", schwärmt Josef, und fügt hinzu: "Hier auf meinem Hof kann ich mich jeden Tag um meine Tiere kümmern und meine Leidenschaft für die biologische Landwirtschaft ausleben."