Nicht alles ist Mist

Seit 20 Jahren führt Gerhard Zöls im niederbayerischen Pocking einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Schweinemast sowie – seit 2009 – mit einer Biogasanlage. „Den Anstoß zur Erzeugung erneuerbarer Energien hat 2004 der Bau unserer Photovoltaikanlage gegeben“, erzählt der 44-Jährige Landwirt. Doch wer meint, allein die Gülle der 2.000 Schweine im Zölsschen Stall bringt die Biogasanlage zum Laufen, hat weit gefehlt. Zusammen mit zugekauftem Hühnermist macht diese gerade einmal 35 % des Inputs aus. Die übrigen 65 % sind nachwachsende Rohstoffe. Vorrangig wird die Biogasanlage Oberindling nämlich mit Mais aus der eigenen Landwirtschaft betrieben.

Der Mais macht‘s

Auf 240 ha baut Zöls Körnermais und Getreide zur Fütterung seiner Schweine an sowie Silomais zur Aufbereitung von Maissilage. Genauer: gehäckselter Mais, das als Biogassubstrat dient. Vor allem auf Grund seines hohen Ertrags, der guten Technisierbarkeit von Anbau und Ernte und natürlich der guten Vergärbarkeit setzt der Landwirt auf den Energiemais zur Fütterung seiner Biogasanlage. „Silomais hat leider noch immer einen recht schlechten Ruf“, klagt der Landwirt. „Dabei ist Mais eigentlich eine umweltfreundliche Pflanze.“ Mais kommt meist mit einer Herbizid-Anwendung aus und erzeugt viel Sauerstoff. Darüber hinaus liefert Körnermais die beste Humusbilanz unter den Kulturpflanzen.  Wichtig für ein gutes Pflanzenwachstum ist jedoch vor allem die Einhaltung der Fruchtfolge. Gerhard Zöls baut auf seinen Feldern Körnermais, Silomais und Getreide im Wechsel an. 

Abfall ist gewünscht

Noch auf dem Feld wird bei der Maisernte im Herbst die Pflanze gehäckselt, auf dem Weg zum Silo gewogen, dort schließlich verteilt, verdichtet und mit Folie luftdicht verschlossen. „Nach sechs Wochen ist der Silage jeglicher Sauerstoff entzogen und damit ist sie stabil“, so Gerhard Zöls. In diesem anaeroben, also sauerstofffreien Zustand wird sie anschließend in den rund 43 °C warmen Fermenter eingebracht und dem bereits vorhandenen Gärsubstrat aus Gülle und Mist beigemengt. Diese Biomasse nutzen die in der Gäranlage heimischen Mikroorganismen als Nährstoff- und Energielieferant. Die anaerobe Energie können die kleinen Helfer jedoch nicht verwerten. Daraus entsteht das „Abfallprodukt“ Methan (CH4), die Hauptkomponente des Biogases.

Unter der Kuppel

Neben Methan ist Kohlendioxid (CO2) ein weiteres Produkt, das sich im Fermenter bildet. Die beiden Gase trennen sich vom Gärsubstrat und werden in der Gashaube aufgefangen und über Gasleitungen zum Blockheizkraftwerk transportiert. Dort wird aus dem Biogas Strom und Wärme erzeugt. Doch das ist noch lange nicht alles, auch die Gärreste verwertet Landwirt Zöls zusammen mit seinen sieben Mitarbeitern im eigenen Betrieb weiter. „Die stickstoffhaltigen Gärreste, die sich im Fermenter sammeln, dienen uns im Frühjahr als optimaler Dünger für die nächste Pflanzengeneration.“

Wohlfühlklima für Alt und Jung

Die Biogasanlage Oberindling beschert nicht nur Haus und Hof der Familie Zöls – bestehend aus Gerhard, seiner Frau Petra, 38, den Kindern Martin, 12, und Michael, 9 Monate, sowie seinen Eltern Maria, 74, und Johann, 84 – wohlige Temperaturen. Rund 40 Anschlüsse versorgt der Betrieb mit Nahwärme. Darunter das Schulzentrum in Pocking mit Grund- und Mittelschule, Gymnasium und drei Turnhallen, das Hallenbad sowie eine Seniorenwohnanlage. Damit es erst gar nicht zu Unterbrechungen im System kommt, ist Zöls über sein Smartphone 24 Stunden am Tag in Alarmbereitschaft. Würde es doch einmal zum Notfall kommen, versichert uns der Landwirt zum Abschied: „Ich regle das!“

Erneuerbare Energien sind unerlässlich

Die Energiewende in Deutschland nimmt langsam gestalt an – zu langsam wenn man bedenkt, dass bis zum Jahr 2050 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen bestehen sollen. Landwirte, die eine Biogasanlage betreiben, sind für eine schnelle Umsetzung der Energiewende derzeit unverzichtbar, sehen sich jedoch mancherorts einigen Vorurteilen ausgesetzt.