5 Fragen an Pilzexperte Helmut Grünert

1. Wo finde ich meinen Lieblingspilz, z.B. einen Fichten-Steinpilz?

Wie der Name sagt, kommt der Fichten-Steinpilz vorwiegend in Fichtenwäldern vor. Im Laubwald finde ich also in der Regel keinen Fichten-Steinpilz. Wo genau, das hängt von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab. Alle Röhrenpilze wachsen in Symbiose mit bestimmten Bäumen. Das muss man wissen.

2. Schneiden oder abdrehen?

Pilze die man kennt, kann man abschneiden. Unbekannte Fruchtkörper sollte man ganz entnehmen. Sonst verbleiben wichtige Merkmale im Boden. Trotzdem muss die Entnahme möglichst schonend geschehen. Wenn man ihn rausdreht oder mit Unterstützung eines Messers nach oben heraushebt, nimmt der Pilz überhaupt keinen Schaden. Der Pilzsammler ist nicht verantwortlich für den Rückgang der Arten, sondern Umweltveränderungen, wie Nährstoffeinträge und Übernutzung der Wälder.

3. Was sind sonstige Grundbedingungen?

Die klimatischen Bedingungen sind sehr wichtig. Der Sommersteinpilz und der Rothütige Steinpilz haben beispielsweise unterschiedliche Standortansprüche. Der Sommersteinpilz benötigt wärmere, lichte Laubwälder wie Eichen-, Buchen- und Kastanienwälder und bevorzugt Südhänge. Der Rothütige Steinpilz ist ein Kiefernbegleiter und wächst gerne auf sandigen Böden, eher im Flachland, so in Franken oder der Oberpfalz. Bereits im Juni können beide Arten gefunden werden. Die Bodenbeschaffenheit ist ebenfalls wichtig. Ist der Untergrund kalkhaltig, neutral oder sauer; mineralhaltige- oder lehmige Böden beherbergen andere Pilzarten als Moorböden. In den meisten Pilzbüchern wird auf die ökologischen Bedingungen der einzelnen Pilzarten eingegangen.

4. Wo darf ich sammeln und wieviel?

Man darf überall sammeln, außer in Naturschutzgebieten. Der ortsübliche Umfang ist dabei erlaubt. Das entspricht ein bis zwei Kilogramm pro Person.

5. Ihr kuriosester Fund?

Ich habe an einem 20. November in kürzester Zeit einen ganzen Korb voll Steinpilze gefunden. Das war im Rheingraben bei Karlsruhe und der Herbst war sehr mild.

Pilze für Gscheidhaferl