Die Verpackungsalternative: regional und frisch - direkt aus Bayern auf den Tisch

Bohnen aus Marokko, Heidelbeeren aus Ägypten, Spargel aus Griechenland: Vieles, was da rund ums Jahr in unseren Supermärkten landet, ist alles andere als empfehlenswert. Das ist auch kein Geheimnis: Was lange Wege zurücklegt, muss früh geerntet werden, hinterlässt auf seinem Weg einen hohen CO2 Fußabdruck – und sein Vitalstoffgehalt ist deutlich geringer, als wenn es frisch vom Feld auf den Teller käme. Außerdem: Um das Transportgut vor äußeren Einflüssen zu schützen, muss es gut verpackt werden – meist mithilfe von Plastikschalen und/oder Folien. Doch nicht nur Obst und Gemüse kommen vielfach im Plastikmantel verpackt in den Handel. Auch andere Produkte wie Wurst, Fleisch, Milchprodukte, Nudeln, Süßwaren und viele andere Warengruppen wie Getränke sind kaum ohne Kunststoff-Verpackung zu haben.

Fluch der Chemie

Umfragen (z.B. PWC-Studie Verpackungen im Fokus) zeigen: Immer mehr Verbraucher wollen das nicht. Sie möchten nicht mehr so viele Plastikverpackungen nach Hause tragen, um sie dann in der Wertstofftonne zu entsorgen (Quelle: Enorm Magazin). Denn was einmal als Wunderwerk der chemischen Industrie angepriesen wurde, hat längst seine Problematik bewiesen. Spätestens seit dem Film Plastic Planet wissen wir, dass jede Folie, jede Plastikverpackung, die wir akzeptieren, eigentlich schon eine zu viel ist. In den Ozeanen sammeln sich die Müllberge mittlerweile zu riesigen Inseln oder Bergen – Wissenschaftler sprechen vom siebten Kontinent im Pazifik. Experten warnen, dass im Jahr 2050 mehr Plastik im Meer schwimmen könnte als Fische. 

Zero Waste trifft regional

Als Konsequenz daraus hat sich in Europa die Zero Waste Bewegung etabliert. Hier ist das Ziel, möglichst überhaupt keinen Müll zu produzieren, egal aus welchem Material. Und wenn es doch nicht ohne geht, dann lautet die Regel, möglichst alles zu recyceln. Aus demselben Grund entstehen in den Städten immer mehr so genannte Unverpackt-Läden. Dort wird ganz auf Einwegverpackungen verzichtet. Von Haferflocken bis Waschmittel kommt alles aus großen Behältern, so genannten Bulk Bins, aus denen es in mitgebrachte oder geliehene Gefäße abgefüllt wird. Frisches Obst oder Gemüse, aber auch Kräuter, Gewürze, Essige und Öle werden ebenfalls lose angeboten. Die Betreiber solcher Läden kaufen meist regional ein – das hat viele Vorteile: Die Lebensmittel sind frisch, saisonal und in hoher Qualität verfügbar. Wer einen Unverpackt-Laden in der Nähe hat, unterstützt damit also meist auch die regionalen Betriebe, und, soweit es sich um landwirtschaftliche Erzeugnisse handelt, die regionalen Bauern.

Frisch vom Erzeuger

Nun hat nicht jeder eine solche Einkaufsmöglichkeit um die Ecke. Trotzdem kann man mit seinem Kaufverhalten einen erheblichen Einfluss ausüben. Perfektes Revier für einen – weitgehend verpackungsfreien – Obst- und Gemüse-Einkauf sind neben Bioläden auch die Wochenmärkte. Hier gibt es alles, was frisch aus der Region kommt, zu Preisen, von denen die Produzenten leben können. Lassen Sie sich am besten alles direkt in den Einkaufskorb legen – oder notfalls in Papiertüten abfüllen. Für viele Haushalte, gerade in ländlichen Gebieten, ist zudem der Hofladen eine gute Alternative. Wer wissen will, wo sein Fleisch, Obst oder Gemüse herkommt, wer Einblicke in die Erzeugung und vielleicht sogar den einen oder anderen Lager- und Verarbeitungstipp erhalten möchte, kann keinen besseren Einkaufsort wählen. Eine Liste mit Hofläden in Bayern gibt es hier.

Gezielt einkaufen

Trotzdem: In unserer hektischen Zeit bleibt vielen Haushalten vor allem der Supermarkt zum Einkaufen. Das bedeutet aber nicht, dass sie der Plastikflut hilflos gegenüberstehen. Im Gegenteil: Ihre Macht liegt in der gezielten Auswahl von Lebensmitteln. Unser Tipp: Gehen Sie an möglichst vielen verpackten, nicht-saisonalen, importierten Agrarerzeugnissen vorbei. Lassen Sie in Plastikschalen verpackte Cherrytomaten aus Spanien ebenso liegen wie verschweißten Brokkoli aus Italien oder mit Folie überzogene Bio-Gurken aus Holland. Legen Sie stattdessen Äpfel vom Bodensee in Ihren Einkaufskorb, Tomaten aus Franken oder Landgurken aus Niederbayern, alles, was lose angeboten wird. Greifen Sie im Winter auf Kohlgemüse, Karotten, Lauch, Zwiebeln und Kartoffeln zurück und kaufen Sie überhaupt je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit. Was unverpackt ist, ist meist automatisch aus der Region. Und es hat Saison. Damit verfügt es über ein Maximum an gesunden Inhaltsstoffen. Hier geht’s zum Saisonkalender.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot

Leider sind aber auch regionale Waren heimischer Erzeuger noch zu oft verpackt. Auch beim Einsatz von Plastikverpackungen wird das Angebot nämlich in erster Linie durch die Nachfrage bestimmt. Viele regionale Erzeuger würden den Lebensmitteleinzelhandel gerne mit unverpackten Waren beliefern. Doch solange der Verbraucher im Discounter oder Supermarkt am liebsten zum eingeschweißten Brokkoli, folienverpackten Salat oder Plastikschälchen mit Beeren greift, wird der Handel weiterhin auf Verpackungen bestehen. Hier ist also ein Umdenken gefragt – und ein plastikfreies, kritisches Einkaufsverhalten seitens der Konsumenten, das sich auf möglichst viele Produkte bezieht – von Joghurt bis Käse und von Schokolade bis Müsli.

Bio oder regional?

Wer auch im Supermarkt gerne auf Bioprodukte zurückgreift, ist besonders stark mit dem Verpackungsproblem konfrontiert. Gerade über die Plastikverpackungen von Bio-Erzeugnissen ist in den letzten Monaten heftig debattiert worden. Viele Haushalte handeln aber schon längst nach dem Motto „Regional ist das neue Bio“. Denn im direkten Vergleich – was Frische, Geschmack und Gehalt angeht – zieht das von weither angereiste, aufwändig verpackte Bio-Produkt oft den Kürzeren. In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch, auf entsprechende Siegel zu achten, die über regionale Produkte und ihre Erzeugung Aufschluss geben. Hier unterstützt Sie unser Siegel-Lexikon. Ein bewusstes Einkaufsverhalten bedeutet tatsächlich auch, manches nicht zu kaufen. Der aktive Verzicht bringt – Erfahrungsberichten zufolge – aber ein Plus bei Lebensqualität und Genuss. Und er schont ganz nebenbei auch den Geldbeutel. Vor allem aber ist der Einkauf von frischen, saisonalen und regionalen Erzeugnissen eine Investition in eine gesunde und zukunftsfähige regionale Landwirtschaft.