Der Wald

Die Wälder sind die artenreichsten und produktivsten Lebensräume der Erde. Das komplexe Ökosystem reguliert das Klima und sorgt für sauberes Trinkwasser. Der Wald bietet den Menschen Erholung und ist das Refugium vieler Tiere und Pflanzen. Zudem ist der Wald Lieferant des nachwachsenden und klimaschonenden Rohstoffes Holz. Als Ökosystem, Naturraum, Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatz spielt der Wald eine wichtige Rolle. 

Deutschland – Waldland

Rund 90 Milliarden Bäume wachsen in Deutschland auf einer Fläche von über elf Millionen Hektar (Quelle: Bundeswaldinventur). Damit sind 30 Prozent der Bundesrepublik mit Wald bedeckt. Kein anderes Land in Mitteleuropa besitzt mehr Wald. Auf sieben Bundesbürger kommt durchschnittlich ein Hektar Wald.
Mit über 2,6 Millionen Hektar Wald ist mehr als ein Drittel der Fläche Bayerns bewaldet. Der Waldbestand des Freistaats nimmt dabei kontinuierlich zu. Alleine 2015 haben unsere bayerischen Bauern und Waldbesitzer über 355 Hektar Wald neu aufgeforstet, dies entspricht einer Fläche von fast 500 Fußballfeldern.

Wem gehört der Wald in Bayern?

Auch wenn der Wald frei zugänglich ist, stehen hinter den Wäldern Menschen und Familien. 58 Prozent der Waldfläche gehören rund 700.000 privaten Waldbesitzern. Zum Privatwald zählen in Bayern auch die Liegenschaften der katholischen und evangelischen Kirche, zahlreicher Stiftungen oder Waldgemeinschaften.

Rund 30 Prozent der Waldfläche sind im Eigentum des Freistaats. Die Bewirtschaftung erfolgt durch die Bayerischen Staatsforsten (Anstalt des öffentlichen Rechts AöR). Damit ist Bayern einer der größten Waldbesitzer in Europa. Auch 2.068 Städte und Gemeinden besitzen in Bayern Wald (12 Prozent der Waldfläche).

Der bayerische Privatwald ist durch die Familienforstwirtschaft geprägt. Wie in keinem anderen Wirtschafszweig wird hier der Generationenvertrag gelebt. Der Waldbesitzer bewirtschaftet eine Waldfläche, die schon die Väter und Großväter aufgeforstet und gepflegt haben. Und ein heute gepflanzter Baum wird einmal von den Enkeln oder Urenkeln geerntet.

Um den Wald optimal bewirtschaften zu können, haben sich viele Waldbesitzer zu Waldbesitzervereinigungen oder Forstbetriebsgemeinschaften zusammengeschlossen. Diese Vereine haben forstliches Fachpersonal angestellt und unterstützen die Privatwaldbesitzer bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder und dem Holzverkauf.
Ein Verzeichnis dieser forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse finden Sie hier.

Mit dem Ende der Eiszeit kam der Wald

Vor rund 12.000 Jahren war das Gebiet der heutigen Bundesrepublik eine nicht bewaldete Tundrenlandschaft. Mit Ende der letzten Eiszeit und der daraus folgenden Klimaerwärmung konnten Pflanzen gedeihen. Die ersten Waldbäume waren Kiefern und Birken. Erst im Laufe der Zeit entwickelten sich die heutigen Nadelbäume. Die Fläche Bayerns war damals fast völlig mit Wald bedeckt. Im Flachland wuchsen vor allem Buchen und in den höheren Lagen der Alpen besonders Fichten und Tannen.

Ein mystischer Ort

Vor 2.000 Jahren bereits wurde der Wald in China mit Liedern verehrt. Die Ägypter sahen in ihm einen mystischen Ort, in dem die Götter lebten. Und auch die Germanen verehrten die Bäume. In für sie heiligen Hainen wurden den Göttern Opfergaben gebracht. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland der Wald mit unzähligen Gedichten und Märchen beschrieben und überhöht.

Alt und hoch gewachsen

In Bayerns Wälder wachsen 51 verschiedene Baumarten. Unsere Nadelbaumarten erreichen Höhen bis zu 50 Metern. Laubbäume sind mit bis zu 40 Metern Höhe um einiges „kleiner“. Unsere Waldbäume werden im Schnitt je nach Baumart, Standort und Qualität zwischen 80 und 180 Jahre alt bevor sie geerntet werden und als Holz für uns zur Verfügung stehen. Die Holzernte ist ein wichtiger Bestandteil zur Pflege der Bestände und zum Erhalt zukunftsfähiger Wälder. Denn nur, wenn hiebsreife Bäume entnommen werden, gibt es ausreichend Platz für junge Bäume.
Der Wald in Deutschland ist durch eine jahrhundertelange Bewirtschaftung geprägt. Die Wälder in Bayern werden zunehmend vielfältiger, denn stabile Wälder sind je nach Standort und Bodenbeschaffenheit meist aus mehreren Baumarten in unterschiedlicher Mischung aufgebaut. Reinbestände, die nur aus einer Baumart bestehen und meist homogen im Alter und der Struktur sind, gibt es kaum noch.
Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen prägen den deutschen Wald.

Artenvielfalt

Um mehr über die verschiedenen Baumarten zu erfahren, einfach auf das entsprechende Bild klicken.

Vom Streichholz bis zum Dachstuhl

Holz wächst ständig nach – jede Sekunde wächst in den Wäldern des Freistaats das Volumen von einem Kubikmeter Holz. So „wächst“ ein Dachstuhl in nur acht Sekunden. Und für ein Holzhaus braucht der bayerische Wald gerade mal 40 Sekunden.
Holz ist ein natürlicher Rohstoff mit schier unbegrenzten Möglichkeiten. Als Bau- und Werkstoff werden aus Holz Häuser (15 Prozent aller Wohngebäude) gebaut und Dachstühle gezimmert. Aus Buche, Fichte oder Eiche werden Möbel, Spielzeug, Musikinstrumente gefertigt oder Streichhölzer und Zahnstocher geschnitzt. Der Zellstoff für Papier und Taschentücher wird aus entrindetem geschnitzeltem Holz hergestellt und der Stoff Viskose besteht aus Buchenholz.

Holz hält klimaschonend warm

Holz ist auch ein CO2-neutraler Energielieferant. Ob als Pelletheizungen und Holzhackschnitzelfeuerungen oder für knisternde Wärme im heimischen Kamin – der Wärmelieferant Holz ist unschlagbar. Dies war im Mittelalter so und besonders heute mit den Möglichkeiten moderner Heiztechniken.

Holznutzung als Beitrag zum Klimaschutz

In Bayern werden pro Jahr etwa 17 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen und verkauft. Bei einem jährlichen Zuwachs von 33 Millionen Kubikmetern liegt der Einschlag deutlich unter dem Zuwachs. Die Holzvorräte im Freistaat nehmen zu (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten).
Die heimische Holzproduktion weist eine gute Ökobilanz auf. Deutsche Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet. Die Gewinnung und Verarbeitung von Holz verbraucht vergleichsweise wenig Energie. Außerdem entstehen bei der Holzverarbeitung keine Abfälle. So werden Holzreste unter anderem für die Papiererzeugung verwendet oder zu Spanplatten oder Holzpellets gepresst. Übrigens: Heimisches Holz macht aufwendige, umweltbelastende Importe überflüssig.
Holz ist somit ein Rohstoff mit einem kleinen CO2-Fußabdruck. Denn jeder Kubikmeter Holz bindet eine Tonne des klimaschädlichen Treibhausgases CO2. Wer also heimisches Holz nutzt, verzichtet auf energieintensive Rohstoffe und leistet somit einen Beitrag zum Klimaschutz.

Das PEFC-Siegel: unabhängig und global

Eine Welt ohne Holz und Produkte aus Holz und Papier ist undenkbar. Holzprodukte gibt es vom Papier über den Parkettboden bis zum Kinderspielzeug und Kochlöffel. Von den Holzpantinen über den Tisch bis zum Dachgebälk, Büchergestell und Wattebausch. Vom Vogelhaus über das Gartenhaus bis zum Holzhaus und Toilettenpapier.

PEFC ist ein transparentes und unabhängiges System zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und damit ein weltweiter "Wald-TÜV". PEFC ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", also ein "Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen".

Waldzertifizierung nach den Standards von PEFC basiert auf den sehr strengen Richtlinien für die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern. Diese Bewirtschaftung wird durch kompetente und unabhängige Organisationen kontrolliert. Trägt ein Produkt aus Holz das PEFC-Siegel, dann heißt das: Die gesamte Produktherstellung - vom Rohstoff bis zum gebrauchsfertigen Endprodukt - ist zertifiziert und wird durch unabhängige Gutachter kontrolliert. Ihre Entscheidung für ein Produkt mit PEFC-Siegel ist damit ein Glück für den Wald!

In Deutschland sind 7,3 Millionen Hektar Wald PEFC-zertifiziert. Das entspricht rund zwei Dritteln der deutschen Wälder. Damit ist PEFC in Deutschland die größte unabhängige Institution für die Sicherung nachhaltiger Waldbewirtschaftung - und gleichzeitig die bedeutendste Waldschutzorganisation. Darüber hinaus hat sich PEFC erfolgreich zu einer globalen Organisation entwickelt. Heute werden auf der ganzen Welt bereits mehr als 265 Millionen Hektar Wald nach den Standards von PEFC bewirtschaftet. Hunderttausende von Forstbetrieben gehören dazu. PEFC ist der Marktführer im Wald!

Weitere Informationen zum PEFC-Siegel

Ein ganz besonderer Baum: Der Christbaum

Alle Jahre wieder...
... werden in Deutschlands Haushalten zu Weihnachten Christbäume aufgestellt – rund 28 Millionen sind es, davon stehen ca. vier Millionen in Bayern. Am beliebtesten sind die Nordmanntanne und die Blaufichte. In früheren Zeiten war das Schlagen der Weihnachtsbäume Teil der Waldpflege. Mit dem Fällen der schwächeren Bäume bekamen die verbleibenden Bäume mehr Licht und Platz. Der Bestand konnte sich besser entwickeln. Heute stammen die meisten Weihnachtsbäume aus eigens dafür angelegten Kulturen. Wer alles richtig machen will, greift auch beim Weihnachtsbaum zu einem Produkt aus der Region. Mehr dazu verrät unser Special „Christbäume“.

Der Baum, mein Freund – richtiges Verhalten im Wald

Radeln und Mountainbiking im Wald

Im Wald darf nur auf geeigneten Wegen Rad und Mountainbike gefahren werden, wenn dies nicht durch amtliche Verkehrszeichen untersagt ist. Die Radfahrer müssen dabei auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Absolutes Fahrverbot gilt abseits befestigter Wege zwischen den Bäumen.

 

Kraftfahrzeuge

Das Erholungsgebiet und Ökosystem Wald darf mit Autos oder Motorrädern nicht befahren werden. Eine Ausnahme gilt hier nur für Waldbesitzer und Forstbedienstete. Private Fahrzeuge müssen auf gesondert gekennzeichneten Parkplätzen abgestellt werden.

 

Müll

Wer seinen Müll im Wald zurücklässt, verunreinigt das Grundwasser und gefährdet die Tiere. Das Wild kann sich an Glasscherben oder Blechbüchsen verletzen. Verdorbene Essensreste oder Hausmüll (wie zum Beispiel Plastiktüten oder Kronkorken) können bei den Wildtieren gesundheitliche Schäden verursachen.

 

Die Rinde ist unantastbar

Die Beschädigung der Rinde verletzt den Baum. Krankheitserreger und Schädlinge können eindringen und den Baum stark schädigen. Ein geschnitztes Herz als Liebesbeweis oder Initialen in der Rinde können somit für den Baum tödlich sein.

 

Sammeln in Maßen

Das Fällen von Bäumen oder Abschneiden von Ästen ist verboten! Hingegen dürfen kleine Mengen an Holz vom Waldboden für den Eigengebrauch aufgesammelt werden.

 

Betreten verboten!

Empfindliche Forstflächen und Forstkulturen (Schonungen) dürfen nicht betreten werden. Oft informieren entsprechende Hinweisschilder Ausflügler, Wanderer oder Pilzsucher.

 

Rauchen verboten!

In vielen Bundesländern ist das Rauchen im Wald vom 1. März bis zum 31. Oktober verboten. Auch gilt im Wald ein striktes Grillverbot. Wer nahe eines Forstes grillen möchte, muss zum Waldrand einen Mindestabstand von 100 Metern einhalten.

 

Geocaching nur im Einklang mit der Natur!

Geocaching, die moderne Schnitzeljagd, darf nicht zu Schäden im Wald führen. Das Suchen der sogenannten Coaches ist nicht grundsätzlich verboten. Dennoch kann das Verstecken der „Schätze“ unzulässig sein und erfordert deshalb die Zustimmung des Grundeigentümers.


Wald für Gscheidhaferl

Der Wald spielte für die Menschen immer schon eine wichtige Rolle. Als in der Jungsteinzeit vor rund 7.000 Jahren Sammler und Jäger sesshaft wurden, rodeten die ersten Bauern die Wälder. Sie nutzen das geschlagene Holz als Bau- und Brennmaterial. Der fruchtbare Waldboden wurde zu Acker- und Weideland. Die Waldfläche nahm so bis in das späte Mittealter kontinuierlich ab. Zudem konnte sich der Wald aufgrund der Beweidung durch Rinder, Schafe oder Schweine nicht regenerieren. Auch das Sammeln von Tannenzapfen, Nadeln und Blättern als Stalleinstreu (Streunutzung) sowie die Herstellung von Holzkohle (Köhlerei) schädigte den damaligen Wald. Im Jahr 1600 war somit der Waldbestand stark zurückgegangen.
Holz war im 17. Jahrhundert ein knapper und damit äußerst wertvoller Rohstoff. Die Versorgung der Bevölkerung und der Industrie mit Holz war dennoch wichtig. Um dies zu ermöglichen, verfasste 1713 der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz einen ersten Leitfaden zur nachhaltigen Aufforstung und Bewirtschaftung des Waldes. Der Name seines Werks: „Sylvicultura Oeconimica – die Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“. Von Carlowitz brachte es in „Sylvicultura Oeconimica“ auf den einfachen Nenner: Es soll nur so viel Holz genutzt werden, wie auch nachwächst! Dies war die Geburtsstunde der Nachhaltigkeit. Nach diesem Prinzip wird auch heute noch, über 300 Jahre nach von Carlowitz, in der deutschen Forstwirtschaft gehandelt.