Starker Frost: Fluch und Segen für die Landwirtschaft

Wenn die Temperaturen – wie in den letzten Tagen und Wochen – weit unter den Gefrierpunkt sinken und man trotz Schal, dicker Pullis und warmer Handschuhe im Freien nur so bibbert, dann wünschen sich viele von uns sehnsüchtig den Frühling herbei. Dabei ist das kalte Wetter für die bayerischen Landwirte in vielerlei Hinsicht ein Segen - vor allem für die Böden.

Bei den niedrigen Temperaturen gefriert nämlich das Wasser in der Erde, dehnt sich aus und lockert dabei die Böden. Viele Nutzpflanzen wie zum Beispiel Getreide und Gemüse benötigen für ein gesundes Wachstum gelockerte und humusreiche Erde. Auch die Bildung von Humus wird durch den Frost gefördert. Denn potenzielle Zwischenfrüchte auf den Feldern, die zwischen anderen zur Hauptnutzung dienenden Feldfrüchten (Weizen, Mais, Raps usw.) als Gründüngung angebaut werden, erfrieren und müssen folglich nicht mehr bearbeitet werden. Sie fallen ab und können direkt zum Humus-Aufbau untergearbeitet werden.

Im Obstbau verhindern die eisigen Temperaturen ein verfrühtes Austreiben und damit eine zu frühe Blüte. So verringert sich die Gefahr, dass die Knospen bei späteren Frösten (beispielsweise zu den Eisheiligen Mitte Mai) erfrieren – was wie im Jahr 2017 zu massiven Ernteausfällen führen kann. Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Landwirte ist, dass Ungeziefer wie Blattläuse, Milben oder Rapsglanzkäfer bei stärkerem Frost nicht überleben, sodass auf den Feldern später weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen.

Wenn auf intensive Nachtfröste tagsüber eine hoher Sonneneinstrahlung folgt, spricht man von Wechselfrösten. Länger anhaltende, hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht können die Nutzpflanzen nachhaltig schädigen.