Verborgenes Talent: die Petersilienwurzel

Ernstzunehmende Konkurrenz

Wer im Supermarkt zum fertig gepackten Suppengrün greift, wird wenig überrascht sein, die Petersilienwurzel darin zu finden – schließlich war das noch nie anders. Obwohl sie also eigentlich doch so präsent ist, bekommt sie als einzelnes Gemüse kaum Beachtung und somit auch selten die Chance im Kochtopf zu landen. Dabei ist das würzige Familienmitglied der Doldenblütler nicht nur geschmacklich eng mit der Blattpetersilie verwandt, die sich in unseren Gewürzküchen durchaus größter Beliebtheit erfolgt, sondern auch biologisch. Woher kommt es also, dass das Wintergemüse, welches weltweit unter freiem Himmel oder in Gewächshäusern angebaut wird, so aus unserer Wahrnehmung verschwunden ist? Vielleicht mag es daran liegen, dass sie der trendigen Pastinake so wahnsinnig ähnlich ist – rein optisch sind die beiden immerhin kaum auseinanderzuhalten. Nur waschechte Botanik-Experten werden auf den ersten Blick erkennen, dass die Wurzelpetersilie deutlich kürzer und etwas schmaler ist als die sogenannte Hammelmöhre. Was die Geschmacksebene angeht, haben die beiden allerdings wenig gemeinsam. Während die Pastinake eher mit süßlichen Nuancen punkten kann, erinnert die gelbliche Petersilienwurzel auch geschmacklich stark an Blattpetersilie.

Kraftquelle der Gladiatoren

Mussten die Gladiatoren sich zu Lebzeiten für einen besonders wichtigen Kampf stärken, ernährten sie sich vorzugsweise von nahrhafter Wurzelpetersilie. Alleine ihr herausragender Vitamin C Gehalt deckt mit einer Portion (200 Gramm) rund 80 Prozent unseres angestrebten Tagesbedarfs. Nicht zu verachten sind außerdem die B-Vitamine sowie Eiweiß, Kalzium und Eisen, welche die kegelförmige Wurzel zum Powerfood machen. Die ätherischen Öle sind nicht nur Geschmacksträger des intensiven Aromas, sondern bringen auch unsere Nierenfunktionen auf Vordermann. Gute Nachricht: Mit 40 kcal auf 100 Gramm schlägt der regelmäßige Wurzelverzehr nicht wirklich aufs Gewicht.

Karamellisiertes Schmankerl

Seit der ein oder andere Sternekoch die Petersilienwurzel in seine Menüplanung miteinbezogen hat, ist auch der experimentierfreudige Hobbykoch auf die Wurzel gekommen. Er probiert sich an raffinierter Cremesuppe und glasiert das Gemüse mit Honig, um es zum Wild zu servieren. Auch karamellisiert ist das bescheidene Gemüse ein Hochgenuss. Wer es weniger kompliziert mag, kann die Petersilienwurzel auch ganz ohne Schnickschnack zum Geflügel reichen oder in Rohkostform als gesunde Snack-Alternative naschen.

Knackige Augenweide

Ob das Wurzelgemüse zum Verzehr taugt oder nicht, das kann man ihm an der Schale ansehen: Ist sie glatt und nicht runzlig, hat sie Kochtopf-Potential. Erschlafft darf der Doldenblütler nicht sein. Um ihn möglichst lange frisch zu halten, wickelt man ihn in ein feuchtes Küchenhandtuch ein und verstaut ihn im kühlen Gemüsefach. So kann man ihn auch nach einer Woche noch ohne Geschmackseinbußen verarbeiten. Auch wenn die Wurzel das ganze Jahr über erhältlich ist, ist die Hochsaison von Oktober bis Februar angesetzt. Übrigens: Bei der Auswahl der Petersilienwurzel lohnt es sich, Ausschau nach regionalen Produkten zu halten. Gerade in Bayern wird das Gemüse glücklicherweise wieder häufiger angebaut.