Gelungene Kreuzung

Wer im Supermarkt schon mal daneben gegriffen hat und mit einer Petersilienwurzel im Gepäck nach Hause gegangen ist, obwohl er eine Pastinake kaufen wollte, dem sei verziehen. Optisch gleichen die beiden sich nämlich fast wie eine Wurzel der anderen – spätestens beim Geschmackstest wird das Missgeschick aber unweigerlich auffallen. Grund für die optische Täuschung ist laut Experten die Tatsache, dass die Pastinake angeblich eine Kreuzung aus Karotte und Petersilie ist. Fest steht: Die milde, fein süßliche Pastinake stammt aus der Familie der Doldenblütler und war jahrelang ein willkommener Tischgast. Als unsere Vorfahren allerdings auf die Kartoffel stießen, nahm ebendiese langsam aber sicher die Rolle der kegelförmigen Germanenwurzel ein. Heutzutage wird sie hauptsächlich in Großbritannien, Frankreich, Holland und in den USA angebaut – in Deutschland ist sie (noch nicht wieder) ganz so weit verbreitet. Die Hammelmöhren, wie die Pastinake auch genannt wird, zählen zum Wintergemüse und haben von Oktober bis Mitte März Saison. Sie lieben die Kälte: Sobald der Frost sich auf den Feldern niederlässt, kann sich ihr Aroma erst zu seiner ganzen Pracht entfalten – und erlangt somit einen ganz besonders intensiven, süßlichen Gusto.

Von Babybrei und Karl dem Großen

Der römisch-deutsche Kaiser war schon immer überzeugt von der Wunder-Wurzel: Sowohl er als auch sein Sohnemann Ludwig der Fromme befahlen den Anbau während ihrer Lebzeit – unter anderem, um sie als Heilmittel gegen Fieber einzusetzen. Auch als es im 14. Jahrhundert zur katastrophalen Pest-Epidemie kam, wurde der Saft der getauften Pestnacke zur Geheimwaffe. Diesen Problemen müssen wir uns glücklicherweise heute nicht mehr stellen – was allerdings kein Grund ist, die Wurzel nicht zu beachten. Ein minimaler Nitritgehalt macht den milden Doldenblütler in pürierter Form beispielsweise zur allseits beliebten Babynahrung. Darüber hinaus verbergen sich zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und ätherische Öle in der weißen Möhren-Schwester, die dank der vielen Kohlenhydrate außerdem sehr sättigend ist. Was die Kalorien angeht, ist sie sogar figurschonender als die Erdäpfel: Statt 77 kcal bringt sie pro 100 Gramm nur rund 58 kcal auf die Hüften.

Was die Karotte kann...

... kann die Pastinake schon lange! In der Welt der kulinarischen Köstlichkeiten kann das nahrhafte Wurzelgemüse ebenso für deftige Suppen, feine Pürees, überbackene Aufläufe oder herzhafte Gratins verwendet werden wie Möhren oder Kartoffeln. Sogar in Fritten-Form sind sie eine abwechslungsreiche Ergänzung im konventionellen Rezepte-Repertoire. Knackig wird es in Rohkost-Form – edel hingegen wird es beispielsweise zum Lamm oder zur feinen Garnelensuppe. Bei der Zubereitung gilt es übrigens auch, sich an ihren orangenen Kollegen zu orientieren: Es wird geschält und gewaschen, danach müssen die Enden dran glauben. Beim Anbraten ist allerdings Vorsicht geboten: Brät man das Trendgemüse zu lange, endet das mit einer bitteren Überraschung. Alles was an der Wurzel noch so dran ist – wie Blätter, Triebspitzen oder Blüten – gehört übrigens nicht in den Mülleimer, sondern ebenfalls auf den Tisch: Sowohl Blätter als Triebspitzen geben eine raffinierte Zutat in Quark oder Dips; die Samen können als Gewürz verwendet werden und die Blüten eignen sich als innovatives Deko-Mittel.

Klein, aber oho!

Tendiert man ja normalerweise eher zum Griff nach den prächtigsten Gemüse-Exemplaren im Supermarkt-Regal, ist bei der Pastinake Bescheidenheit gefragt. Die Faustregel: Je kleiner, desto zarter. Außerdem sollte ihre Schale weder matt noch welk aussehen und ihre Blätter keinerlei Anzeichen von Schlaffheit. Haben sich erstmal ein paar küchentaugliche Exemplare gefunden, sollte man bei der Lagerung im Kühlschrank darauf achten, dass keine Erde an der Schale haftet. Ist das doch der Fall, kann  es schlimmstenfalls dazu kommen, dass sich Keime bilden, welche wiederum andere Lebensmittel angreifen. Daher gilt: Ordentlich säubern, in ein feuchtes Küchentuch wickeln und im Gemüsefach unterbringen. Je nach Lagerungszeit ist vor der Verarbeitung ein kurzer Geruchstest angebracht, um verschimmelte Ware auszusortieren. Ist die Wurzel reif für die Gefriertruhe, blanchiert man sie besser vorher – dann kann sie auch ein Jahr später noch genossen werden.

Pastinake für Gscheidhaferl