Die Pflanze, die (fast) alles kann: Multitalent Raps

Alle Jahre wieder wogt ab April ein gelbes Blütenmeer über Bayerns Felder – Raps so weit das Auge reicht. Nicht nur in Bayern bringt die Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler ordentlich Farbe in das Landschaftsbild: Auf bundesweit knapp 1,3 Millionen Hektar erstreckt sich der Rapsanbau in diesem Jahr. Seit Jahren liegt der Wert relativ konstant zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Hektar. Damit ist Deutschland "Raps-Sieger": In keinem anderen Land der Europäischen Union wird so viel Raps angebaut wie bei uns – nämlich auf etwa zwölf Prozent aller Ackerflächen. Und das ist gut so, schließlich ist Raps das Multitalent unter den Nutzpflanzen und eine der vielseitigsten Kulturpflanzen, die wir haben!

Unverzichtbar in der Fruchtfolge

So spielt Raps seit vielen Jahren eine wichtige Rolle in der Fruchtfolge. Die wertvolle Öl- und Eiweißpflanze bietet nicht nur Schutz und Nahrung für viele Lebewesen, sondern stellt auch eine Agenda-21-gemäße Versorgung der Verbraucher und der landwirtschaftlichen Nutztiere aus der Region dar. Damit werden Importe aus anderen Kontinenten vermieden. Seine hohe Fruchtfolgewirkung stabilisiert und mehrt die Ertragslage der Folgefrüchte, meist Getreide (z.B. Weizen: Steigerung von bis zu 11 Prozent). Raps fördert die Bodengare, wurzelt tief und lockert auf natürliche Weise das Erdreich. Mit seiner tief reichenden Pfahlwurzel holt Raps, wie eine Pumpe, in tiefere Bodenschichten verlagerte Nährstoffe nach oben. Er bedeckt knapp ein Jahr den Boden, schützt ihn damit vor Erosion und unterdrückt das Unkrautwachstum.

Raps als Nutzpflanze

Doch nicht nur das: Die Rapspflanze selbst ist eine äußerst vielseitige Nutzpflanze. Aus ihr werden Rapshonig, Rapsöl, Futtermittel sowie Kraftstoff gewonnen:
Rapshonig

Raps versorgt die Bienen nach dem Winter mit viel Futter und Energie. Bienen lieben Raps. Rapshonig hat eine cremig-feine Konsistenz und schmeckt süß und wird als Sortenhonig bezeichnet. Haben Bienen eine gute Nektarquelle wie etwa Raps oder auch Linde oder Heide gefunden, fliegen sie sie immer wieder an. Solch eine feste Quelle nennen Imker "Tracht". Von sortenreinem Honig spricht man, wenn der Anteil einer Tracht im Honig bei 60 bis 80 Prozent liegt. Rapshonig ist vielseitig einsetzbar, da er einen nicht so starken Eigengeschmack hat. Er eignet sich hervorragend zum Süßen von Speisen und Getränken oder zum Genießen auf Brot. Aus einem Hektar Raps können rund 100 Kilo Honig produziert werden.

Rapsöl

Mit seinem hohen Gehalt an wertvollen Omega-3-Fettsäuren in Form der alpha-Linolsäure und seines insgesamt günstigen Fettsäuremusters ist Rapsöl nicht nur eines der gesündesten Speiseöle, sondern mit einem Marktanteil von über 41 Prozent (2015) auch das beliebteste in Deutschland.
Mehr über das Speiseöl lest ihr hier.

Futtermittel
Neben dem Öl wird beim Pressen der Saatkörner auch ein hochwertiges Eiweißfuttermittel gewonnen. In Form von Extraktionsschrot ist Raps ein gentechnik-freies, äußerst begehrtes heimisches Proteinfutter. Im Klartext: Der Rapsschrot, der als Ergänzungskomponente in der Schweine- und Geflügelmast, vor allem aber als Eiweißfuttermittel für Rinder und in der Bullenmast zum Einsatz kommt, ist das wichtigste heimische gentechnikfreie Eiweiß-/Proteinfutter in Deutschland und der gesamten EU. Je mehr Raps wir in Deutschland anbauen, desto weniger Soja-Futtermittel  müssen aus Südamerika importiert werden.

Biokraftstoff
Mit der Menge Biodiesel (Rapsmethylester), die aus einem Hektarertrag Raps gewonnen wird, kann ein PKW 30.000 km zurücklegen, und das mit einem CO2-neutralen Treibstoff. Bei der Verbrennung von Biodiesel wird nur das während des Wachstums im Öl gespeicherte CO2 freigesetzt. Unter anderem deshalb ist der komplette Teil der Rapsernte, die in den Biokraftstoffmarkt fließt, als nachhaltig zertifiziert. Mit Biodiesel gefahrene Autos stoßen nur halb so viel Ruß und weniger als 50 Prozent der Treibhausgase aus wie mineralischer Treibstoff. Auch als Grundstoff für Hydrauliköl macht Raps Sinn: Im Gegensatz zu mineralischen Ölen ist Hydrauliköl aus Raps voll biologisch abbaubar. 100 Bagger können jeweils ein Jahr mit solch einem "natürlichen" Schmierstoff versorgt werden, der aus einem Hektar Raps gewonnen wurde, ohne bei Leckagen Boden oder Wasser zu gefährden.

Weitere Fakten zum Raps findet ihr hier.

Quellen:
www.ufop.de
https://www.ndr.de/ratgeber/kochen/warenkunde/Honig-Wie-gesund-und-rein-ist-das-Naturprodukt,honig324.html
https://www.ovid-verband.de/typo3temp/vhs-pdf-150427_Gelb_und_vielseitig_-_alle_lieben_Raps.pdf-page1.png