Freches Früchtchen

Der Schein trügt: Obwohl die Quitte äußerlich unseren Kernobstlieblingen Apfel und Birne ähnelt, lässt sie sich nicht einfach mal so vom Baum pflücken und als Snack essen. Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse bildet nämlich Früchte mit einer äußerst widerstandsfähigen Schale und einem sauren bis bitteren Fruchtfleisch aus und eignet sich nicht für den Rohverzehr. Erst gegart entwickelt die Quitte ihre wahren Werte. Zum Direktessen sind lediglich vereinzelte Sorten wie die „Shirin“ aus der Türkei oder die Honigquitte geeignet. Generell unterscheidet man Apfel- und Birnenquitten: Die runden Apfelquitten haben ein sehr intensives Aroma, sind aber auch noch härter als die leicht länglichen Birnenquitten, deren Geschmack im Vergleich milder ist. Die Quitte ist ein Symbol für Glück, Fruchtbarkeit und Liebe. Schon die alten Griechen haben sie in Honig eingekocht. Diese „Melimelon“ genannte Speise war sowohl aufbauendes Hausmittel als auch nahrhafte Wegzehrung für Reisende.

Mehr Quitte, bitte!

Wie schade, dass der Quittenanbau in Deutschland immer mehr zurück geht! Waren es früher knapp 200 Sorten, sind es heute gerade mal sechs, die sich hierzulande gehalten haben. Selbst in Franken, welches einmal als Quittenhochburg galt, schwindet die Quitte. Vielen Obstgartenbesitzern ist die Verarbeitung zu mühevoll, bei gleichzeitig hohem Ertrag – denn die Quitte trägt in der Regel zuverlässig Jahr um Jahr. Da die Früchte nur begrenzt lagerfähig sind, müssen sie allerdings fix verarbeitet werden. Man kann den selbstfruchtenden Quittenbaum eigentlich gar nicht genug empfehlen: Er ist nicht nur hübsch anzuschauen, seine Blüten sind auch eine Bienenweide! Die goldgelben Früchte sind zudem gesund und vielseitig einzusetzen. Außerdem gelten Quitten als robust und pflegeleicht. Sie lieben sonnige Standorte und können am richtigen Ort sehr alt werden.

Eine Quitte am Tag...

Quitten sind ein Geschenk in jeder Ernährung. Verzehrt man eine ganze Quitte, hat man bereits einen guten Teil des täglichen Bedarfs an wertvollem Vitamin C gedeckt. Darüber hinaus versorgt die Frucht unseren Körper mit Vitamin E, Magnesium, Kupfer und – besonders entscheidend – mit Pektin. Pektin lässt nicht nur die Marmelade fast ohne Gelierzucker gelieren. Es bindet auch Giftstoffe im Darm und hilft so, sie auszuscheiden. Quitte reguliert sogar den Cholesterinspiegel und den Bluthochdruck. Das Pektin versteckt sich überwiegend in den kleinen Kernen der Frucht, weshalb sie die effektivste Grundlage für diverse Hausmittel sind. Lässt man die Samen der Quitte für einige Stunden in warmem Wasser einweichen, bildet sich ein Schleim. Dieser wird traditionell gegen Hals- und Bauchschmerzen eingesetzt. Zur Entschlackung eignet sich auch ein Tee aufgegossenen Quittensamen. Nur zerkleinern, mahlen oder hacken sollte man die Samen nicht. Die in ihnen enthaltene Blausäure kann sonst zu äußerst ungemütlichen Bauchschmerzen führen.

Mit Quitte gegen Allergien

Sogar bei Allergien lässt sich die Quitte einsetzen: In Form von Quitten-Zitronen-Nasenspray lindert es die Histaminausschüttung. Und warum nicht den alten Griechen folgen, die Quitte klein schneiden und mit Honig verrühren? Wer das macht, hält nach einigen Tagen ein natürliches, anti-allergenes Süßungsmittel in Händen, das jedem Dessert das gewisse Etwas verleiht, das man aber auch mal zwischendurch naschen kann.

Alte Tradition, neu belebt

Die Quitte bringt einen Hauch Nostalgie in die Küche – wer erinnert sich nicht an Omas selbstgemachtes Quittengelee? Den Rezepten von früher kann man jetzt zu neuem Glanz verhelfen – mit eigenen Kreationen! Von September bis November hat die Quitte Saison. Kenner gehen direkt zum Wochenmarkt um die Ecke oder helfen dem Nachbarn, seine Quittenernte zu bewältigen. Bei der Zubereitung muss zuallererst der filzige Flaum der Schale mit einem Tuch abgerieben werden. Danach geht es ans Waschen, Schälen, Entkernen und Kleinschneiden. Das macht – zugegeben – etwas Mühe.

Köstliche Küchen-Akzente

Doch man wird belohnt: Neben der klassischen Marmelade oder dem Gelee ist auch der selbstgemachte Saft eine echte Geschmacksoffenbarung. Und wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer leichten Quittentarte? Immerhin besteht die Frucht zu 80 Prozent aus Wasser und hat nur ungefähr 40 kcal auf 100 Gramm. Davon abgesehen machen sich Quitten auch als exotische Beilage zu herzhaften Gerichten gut: als Füllung in Geflügel, als Beilage oder Chutney, zum Beispiel zum Kalbsbraten. Übrigens: Beträufelt man das Obst während der Verarbeitung mit etwas Zitronensaft, verhindert man eine unschöne bräunliche Färbung. Und noch ein Tipp für nachhaltige Köche: Wenn beim Zubereiten von Gelee das Fruchtfleisch abgeseiht wird, dieses einfach noch mal aufkochen, süßen und anschließend auf ein Backblech streichen. Mehrere Stunden bei niedriger Temperatur trocken lassen, dann in Stücke schneiden und in Zucker wälzen – fertig ist herrliches Quittenkonfekt, das im Kühlschrank monatelang haltbar ist.

Gut Ding will Weile haben

Werden Quitten schon vor der Reife geerntet, kann man sie getrennt von anderen Obstsorten noch bis zu zwei Monaten an einem kühlen Ort lagern. Sind sie allerdings schon reif, sollte es recht bald an die Weiterverarbeitung gehen. Bis dahin möglichst kühl nebeneinander lagern – so gibt es keine Druckstellen. Die fertigen Marmeladen oder Gelees können auch nach bis zu zwölf Monaten noch sorgenfrei genossen werden – tatsächlich gewinnen sie sogar mit der Zeit an Aroma. Wer gerade keine Zeit zur Weiterverarbeitung hat, kann die Quitten auch einfrieren und später verarbeiten. Dafür sollten sie allerdings schon geschält, entkernt und blanchiert sein.