Pute oder Truthahn?

Gibt es da eigentlich einen Unterschied? Nein, den gibt es tatsächlich nicht: Die beiden Begriffe bezeichnen lediglich den Unterschied zwischen dem weiblichen und männlichen Truthuhn. Der Hahn im Korb ist dabei ein sehr imposantes Tier: Die aufgeplusterte Brust und der leuchtend rote Schädel unterstreichen seinen Ruf als größter Vertreter der Hausgeflügelarten. Die Pute ist hingegen insgesamt etwas zierlicher, trägt aber ein ebenso ansehnliches Federkleid. 

Das Haustruthuhn kann generell in verschiedene Farbschläge und Gewichtsklassen unterteilt werden. Die schweren Mast-Puten bringen bis zu 20kg oder mehr auf die Waage und haben meist weiße, seltener auch bronzefarbene oder schwarze Flügel. Die mittelschweren Tiere erkennt man an den Bourbon- oder Rottönen und die leichtesten ihrer Art sind besonders farbenfroh – blaue, kupferfarbene, gelbe oder rote Federn sind hier keine Seltenheit.

Der Hahn im Korb

Wenn der gut imitierte Truthahn-Ruf von Putenmäster Korbinian Huber durch seine drei Ställe hallt, antworten ihm seine 15.000 agilen Puten im Chor. Sie bewegen sich lebhaft durch die großzügige Halle im oberbayerischen Feldkirchen-Westerham und umlagern den herzlichen Landwirt. Picksteine und Spielzeug sorgen im Stall für genügend Abwechslung.
„Ich bin gerne Landwirt, weil ich stolz darauf bin, ein gesundes Lebensmittel zu erzeugen“, so Korbinian Huber, der seine Putenmast gemeinsam mit seiner Frau Veronika und den Kindern Rosemarie, Korbinian jun. und Emmeran in zweiter Generation betreibt. Wenn die Familie den flauschigen Küken beim Akklimatisieren hilft, ihnen Fressen und Trinken beibringt und sie auch mal per Hand an den Trog setzt, wird deutlich: Tierliebe und Nutztierhaltung sind kein Widerspruch und lassen sich durchaus vereinen.

Rundum gesund

Ein angeregter Stoffwechsel, eine ausreichende Sauerstoffversorgung unserer Zellen, ein starkes Immunsystem und stabile Knochen – es gibt viele gute Gründe, sich ein Stück Pute oder Truthahn zu gönnen. Durch die Inhaltsstoffe der Pute, die man beim Verzehr eines 100 g leichten Stücks zu sich nimmt, deckt eine erwachsene Frau beispielsweise rund 85 % ihres Niacin- und 38 % ihres B6-Tageshaushalts ab. Die beiden B-Vitamine unterstützen den Verdauungsprozess und sorgen für einen gesunden Stoffwechsel. Ein erwachsener Mann deckt mit der gleichen Menge zum Beispiel 17 bzw. 21 % des täglichen Bedarfs an Kalium und Zink. Kalium ist ein Mineralstoff, der bei der Steuerung der Muskelzellen behilflich ist und körpereigenes Eiweiß aufbaut – um nur einige wenige positive Eigenschaften zu nennen. Gut zu wissen: Das fettarme Fleisch ist gerade bei sportlicher Aktivität ein Muss. Allein der Eiweißgehalt liegt bei bis zu 25 %.
Entgegen hartnäckiger falscher Vorurteile bekommen weder Puten noch andere Tiere in der Nutztierhaltung wie Hähnchen oder Schweine vorbeugend irgendwelche Medikamente oder Antibiotika. Im Gegenteil: Medikamente bekommen die Tiere nur, wenn es unbedingt nötig ist – kranke Puten werden bei Bauer Korbinian Huber beispielsweise in ein abgegrenztes Areal, die „Krankenabteilung“ gebracht und dort gesund gepflegt. Mögliche Probleme behandelt der 39-jährige lieber vorbeugend, beispielsweise durch Probiotika, die den Verdauungsapparat positiv unterstützen. „Zweimal am Tag mache ich einen Kontrollgang, bei dem ich genau auf die Gesundheit meiner Tiere, die Qualität des Wassers und das Futter achte“, erklärt Huber. Letzteres kommt beim Putenmäster ausschließlich aus Bayern.

Kräftige Keule, zarte Brust

Geschmort oder gebraten, herzhafte Mahlzeit oder leichte Kost, im Ganzen oder zerteilt – Pute und Truthahn lassen sich auf vielfältige Art und Weise zubereiten. Der muskulöse Oberflügel wird  besonders knusprig, wenn man ihn auf dem Grill brutzelt, ohne davor Haut und Knochen zu entfernen. Außerdem kann man das aus der Keule ausgelöste Fleisch ideal für ein deftiges Gulasch verwenden. Und das zarte Brüstchen macht zum Beispiel in einem würzigen Curry eine gute Figur. 

Auch „dressiert“ ist das Geflügel ein Highlight: Dies bedeutet, dass man die Pute als ganzen Braten zubereitet und serviert. Um das Tier zu „dressieren“, bindet man ihm sowohl die Flügel als auch die Beine an den Körper, damit abstehende Teile im Ofen nicht verbrannt werden. Reichlich gewürzt und angerichtet mit einer herben Sauce und ein paar gesunden Kartoffeln und Karotten ist das Fleisch für jeden Anlass genau das Richtige.

Anspruchsvoller Umgang

Leicht hat man es nicht mit der Pute: Sie verlangt einen umfangreichen Vorbereitungsprozess, bevor sie auf dem Teller landet. Wie beim Hähnchenfleisch können auch über Putenfleisch Krankheitserreger – zum Beispiel Salmonellen – übertragen werden. Darum müssen bei der Zubereitung einige wichtige Punkte beachtet werden: Hat man das rohe Fleisch auf einem Schneidebrett mit einem Messer geschnitten, sollte man das Geschirr zur Sicherheit gründlich heiß abwaschen, um etwaige Bakterien zu entfernen und nicht auf andere Lebensmittel zu übertragen. Kommt das Fleisch aus der eigenen Tiefkühltruhe, lohnt es sich, den Tauvorgang vollständig abzuwarten und die Verpackung sorgfältig zu entsorgen. 

Während man bei Rindfleisch gerne mal nach der Garstufe „Medium“ verlangt, sollte die Pute immer ganz durchgebraten sein: Und dies bei mindestens 70° C, bis das Fleisch eine weißliche Farbe bekommen hat und ein klarer Fleischsaft sichtbar ist. Haltbar sind Puten- und Truthahnfleisch  übrigens bei ausreichender Kühlung im unteren Kühlschrankfach bis zu maximal vier Tage.

Pute für Gscheidhaferl