Mais - Goldgelber Tausendsassa

Von Mexico in die Welt

Mais zählt wie Weizen und Reis zu den Süßgräsern. Er stammt ursprünglich aus Mexiko und Peru, wo er schon vor über 7.000 Jahren angebaut wurde. Doch erst mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus gelangte das goldgelbe Korn im 16. Jahrhundert auch nach Europa. Anfänglich war Mais jedoch nur in Spanien beheimatet, da er als wärmeliebende Pflanze mit den Witterungsbedingungen in Mittel- und Nordeuropa nicht zurechtkam. In Deutschland wurde Mais im 16. und 17. Jahrhundert nur in Gärten klimatisch begünstigter Regionen wie der Rheingegend oder Baden angebaut. Doch nachdem es Anfang des 19. Jahrhunderts durch Pflanzenseuchen zu Ausfällen in der Kartoffelernte kam, begann man Maissorten zu züchten, die für das etwas strengere mittel- und norddeutsche Klima geeignet waren. Erst in den Sechzigerjahren nahm jedoch der Maisanbau in Deutschland signifikant an Umfang zu. 

Getreidesorte Nummer 1

1 Milliarde Tonnen Mais werden weltweit jedes Jahr geerntet. Damit ist die Kolbenfrucht global das Getreide Nummer Eins. Der so genannte Körnermais gehört in Afrika und Lateinamerikas zu den Grundnahrungsmitteln. Doch auch in den USA oder Europa hat sich das vielseitige "Corn" schnell zum Renner entwickelt. Besonderer Pluspunkt: Das glutenfreie Getreide und seine Verarbeitungsprodukte (Mehl, Brot, Nudeln) sind auch für Personen mit Überempfindlichkeit gegen Klebereiweiß (Zöliakie) geeignet. Dennoch: Nur ca. 15 Prozent der Maisernte werden zu Lebensmitteln verarbeitet, der Löwenanteil von 63 Prozent fließt in die Futtermittelproduktion, der Rest wird zu Biogas und Treibstoff.  Zudem wird die aus Mais gewonnene Stärke als nachwachsender Rohstoff für die Herstellung von biobasierten Kunststoffen eingesetzt. Weltweit gibt es ca. 50.000 Mais-Sorten, die sich in Farbe, Form, Zusammensetzung und Beschaffenheit unterscheiden.

Kalorienarm und schmackhaft

Mit 90 Kilokalorien pro 100 Gramm, einem hohen Wasseranteil, etwas Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten besitzt Mais einen geringeren Nährwert als seine Getreidekonkurrenz. Zudem enthält er Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und essenzielle Aminosäuren, die den Körper mit einer ganzen Bandbreite an Nährstoffen versorgen. Je unverarbeiteter man Mais genießt, desto besser. Am süßesten schmecken die Körner übrigens direkt nach der Ernte, da der enthaltene Zucker durch die Lagerung in Stärke umgewandelt wird. 

Doch auch als Mehl, etwa für Brot und Backwaren sowie glutenfreie Nudeln, und Gries kann der Mais punkten – letzterer ist zum Beispiel unverzichtbar für eine klassische Polenta. 

Wachsende Anbauflächen

Mais ist bezogen auf die Anbaufläche die wichtigste landwirtschaftliche Kultur in Bayern. Seine Nutzung erfolgt als Silomais - für Futterzwecke oder zur Produktion von Biogas - oder als Körnermais. Auf bayerischen Feldern werden 548.100 ha Mais angebaut, das entspricht ca. 18% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Gesät wird zwischen April und Anfang Mai, im Laufe des Sommers erreichen die Pflanzen eine Wuchshöhe von 3 Metern und höher. Die Ernte findet in normalen Jahren von Mitte September bis Anfang Oktober statt. Für Silo- und Körnermais wird hierzu ein Maishäcksler verwendet, der die ganze Pflanze zu Futter zerkleinert. Körner- und Zuckermais werden hingegen mit einem Maisdrescher geerntet. Dabei werden die Kolben von der Restpflanze getrennt, da die Körner für die Lebensmittelerzeugung verwendet werden.

Ein Korn – tausend Facetten

Mais ist ein echter Allrounder: Er dient als wohlschmeckendes, vielseitiges Lebensmittel, als wertvolles Tierfutter, als Treibstoff und findet sogar in der chemischen Industrie Verwendung. Hier der Überblick: 

Biogas

Rund ein Drittel der Maisanbaufläche in Deutschland wurde im Jahr 2017 mit Silomais zur Biogaserzeugung bepflanzt. Durch Vergärung von organischem Material (z. B. Mais, Gras, Zuckerrübe, Gülle, …) in Fermentern mithilfe von Mikroorganismen entsteht unter Ausschluss von Licht und Sauerstoff Biogas. Die Hauptbestandteile des Biogasgemisches sind Methan und Kohlenstoffdioxid, in geringen Mengen sind auch Wasserdampf, Schwefelwasserstoffe und andere Gase enthalten.  Der wichtigste Bestandteil für die Energieerzeugung in einer Biogasanlage ist das Methan, welches etwa 50 bis 65 Prozent des Gasgemisches ausmacht und je nach Substratzusammensetzung variiert.  Biogas dient der Stromgewinnung sowie der Wärmeerzeugung in sogenannten „Blockheizkraftwerken“. Der unschlagbare Vorteil dabei ist, dass Biogasanlagen ihre Stromproduktion am tatsächlichen Bedarf der Verbraucher anpassen können. Die Reste des vergorenen Biogassubstrats, die sogenannten "Gärprodukte" sind hochwertige Düngemittel und werden auf die Felder zurück ausgebracht. Durch das Ausbringen der Gärprodukte auf dem Feld wird mineralischer Dünger durch einen natürlichen humusfördernden Dünger, dem "Gärprodukt" ersetzt, wodurch sich der Nährstoffkreislauf schließt. Durch seine Wuchshöhe ist Mais eine sehr auffällige Frucht, die das Landschaftsbild prägt. Die Zunahme der Maisanbaufläche in Deutschland, die in der vergangenen Dekade zu beobachten war, wird von manchen Menschen kritisiert, da durch intensiven Maisanbau die Biodiversität bedroht sei. Blühstreifen an den Rändern der Maisfelder dienen vielen Insekten und auch Vögeln als Nahrungsquelle. Landwirte leisten damit einen großen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität unserer Landschaften. Aber auch die Maisfläche selbst ist Lebensraum interessant. Sie dient vielen Tieren, aber auch Insekten und Spinnen als Nahrungs- und Rückzugsort. Neben Biogas-Mais bauen Landwirte zunehmend auch mehrjährige Energiepflanzen für die Biogasproduktion wie z. B. die Durchwachsene Silphie an, die zusätzlichen Lebensraum für Insekten bietet und zu einem abwechslungsreichen Landschaftsbild beiträgt.

Futtermittel

Sein hoher Energiegehalt und seine leichte Verdaulichkeit machen Mais als Futtermittel so begehrt. Er kommt in Schweine-Mischfutter zum Einsatz oder wird dem Milchvieh als Grünfutter zugeführt. Getrocknet werden die Körner an Legehennen verfüttert - die enthaltenen Carotinoide verleihen dem Dotter eine leuchtend gelbe Farbe.

Maisstärke

Als Puddingpulver oder in Backwaren ist Maisstärke gängig. Sie wird durch ein spezielles Auswaschverfahren aus dem Korn gewonnen und lässt sich auch zu pflanzlichen Süßungsmitteln wie Glukosesirup, Dextrose und Maltit verarbeiten. Zudem wird Maisstärke als Hausmittel gegen Mückenstiche und Sonnenbrände, als Poliermittel für Silberbesteck oder als Trockenshampoo eingesetzt.

Popcorn

Der fluffige Snack wird aus einer speziellen Maissorte, dem Puffmais, zubereitet. Beim starken Erhitzen wird das im Korn enthaltene Wasser zu Wasserdampf und dehnt sich stark aus. Die Hülle des Maiskorns kann dem Druck irgendwann nicht mehr standhalten, platzt und durch das schnelle Entweichen des Wasserdampfs entsteht ein Knall. Die durch die Hitze und den Druck aufgeweichte Stärke dehnt sich aus, kühlt jedoch augenblicklich ab und erstarrt. Mit Salz oder Zucker verfeinert ist das aufgepoppte Korn ein Dauerbrenner. In den USA seit den 1920er Jahren und in der Folge auch bei uns der (Kino-)Snack schlechthin.

Treibstoff

Wie andere Pflanzen kann auch Mais zu Bioethanol verarbeitet werden. So befinden sich schon heute 10% Bioethanol in E10. Wie herkömmlicher Alkohol wird Bioethanol durch Fermentation (alkoholische Gärung) aus Zucker (Glucose) mit Hilfe von Mikroorganismen gewonnen und anschließend durch thermische Trennverfahren gereinigt. Für den Einsatz als Treibstoffzusatz wird Bioethanol bis zu einer Reinheit von mehr als 99 % "getrocknet".

Freizeitspaß im Feld

Maisfelder sind nicht nur eindrucksvoll, schon wegen ihrer Höhe – sie garantieren in Form von Mais-Labyrinthen auch einen Riesenspaß. Von Juli bis September gibt es in ganz Bayern diese Irrgärten, bei denen in das Feld ein kompliziert verzweigter Weg gefräst wurde. Aus der Luft betrachtet, ist der „Pfad in die Freiheit“ ganz einfach zu finden. Doch wenn man mittendrin steckt? Wer Lust auf eine Mischung aus Spaß und Abenteuer verspürt, der erfährt auf unserer interaktiven Karte, wo man in Bayern ein solches Maislabyrinth finden kann. Achtung – am besten den berühmten „Ariadne-Faden“ der griechischen Mythologie nicht vergessen.

Mais für Gscheidhaferl