Erlesener Bestseller

Blüten über Blüten! Bis zu einer Million davon machen den Kirschbaum im Frühling zu einem pastellfarbenen Hingucker. Da wundert es nicht, dass die Kirsche nicht nur zum Steinobst sondern auch zu den Rosengewächsen zählt. Anfang Juni machen die saftigen Herzkirschen den Ernte-Anfang, gefolgt von den festfleischigen Knorpel- und Knubberkirschen, die sogar bis in den Hochsommer reifen. Aber die süßen und die sauren Kirschen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Erntezeit, sondern – selbstredend – auch durch den Geschmack und die äußerliche Erscheinung. Die Arten sind dennoch enge Verwandte: Die Süßkirschen sind dabei mit rund 500 Sorten vertreten, die Sauerkirschen schaffen es immerhin auf 250 verschiedene Sorten. 

Kein Sommer ohne Kirschen

Auch wenn ihr Pro-Kopf-Verbrauch noch nicht ganz mithalten kann mit Äpfeln, Bananen oder Erdbeeren, genießen wir Deutschen doch immerhin rund zwei Kilogramm der knackigen Früchte pro Jahr. Spitzenreiter unter den Kirschen-Lieferanten ist in Deutschland zweifelsfrei die Fränkische Schweiz. Leider hat der lange Winter den bayerischen Obstbauern dieses Jahr einen Strich durch die Kirsch-Ernte gemacht: Die geschätzte Ernte wird im Jahr 2017 „nur“ auf 16.800 Dezitonnen geschätzt. Das wäre ein gewaltiger Rückgang von ungefähr 46 % zum Vorjahr – Kirschen brauchen einfach viel Sonne und Wärme.

Übrigens: Auch im Tierreich wird ungern auf die delikate Obstsorte verzichtet. Imker nutzen die Kirschbäume als Spielwiese für ihre beflügelten Freunde, da die Blüten einen ungewöhnlich hohen Zuckergehalt haben und daher auch ein außergewöhnlich süßer Nektar produziert wird.

Sauer macht lustig ... und hält fit!

So sehr wir die süßen Kirschen auch lieben, die säuerliche Version enthält noch mehr positive Eigenschaften, die unserer Gesundheit Gutes tun. Bei schlaflosen Nächten hilft zum Beispiel das Schlafhormon Melatonin, gegen ein schwaches Immunsystem kämpfen die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe und sogar bei schlimmem Muskelkater ist der Saft der Sauerkirsche ein natürlicher Schmerzhemmer. Eins haben jedoch alle Sorten gemeinsam: Sie sind mit 60 Kilokalorien auf 100 g ein leichter Leckerbissen, machen dank zahlreicher Ballaststoffe schnell satt und fördern sogar noch die Verdauung. Und keine Sorge: Auch wenn Oma immer noch darauf besteht, dass der Bauch platzt, wenn man nach dem Verzehr von Kirschen Wasser trinkt – dem ist nicht so. Es darf also nach Lust und Laune getrunken und genascht werden.

Saisonstart: Sommer

Die Saison der heimischen Sorten beginnt im Juni und zieht sich dann bis in den späten August. Vorher sollte man sie lieber links liegen lassen: Statt vollmundiger Geschmack erwartet einen hier meist wässrige Enttäuschung. 

Simple Weiterverarbeitung

Ob die Kirschen wirklich schon reif sind, erkennt der Obst-Experte daran, dass sie eine pralle Form haben und der Stiel noch fest im Fruchtfleisch verankert ist. Die Farbe ist kein Indikator: Auch wenn die dunklen Kirschen häufig durch besondere Süße begeistern, kann es je nach Ernte und Kaufzeitpunkt durchaus sein, dass die helleren Kirschen genauso vorzüglich schmecken. 

Einmal gewaschen, kann der Blick ins Rezepte-Repertoire erfolgen. Wer Lust auf frischen Obstsalat und fruchtiges Gelee hat, der sollte bei den Süßkirschen zugreifen – für herzhafte Gerichte mit Wild und Geflügel oder verführerische Backwerke wie Torten und Kuchen ist man mit den Sauerkirschen besser dran. Saure Kirsche und süße Torte, wie passt das zusammen? Da die säuerlichen Exemplare kräftiger im Geschmack sind, eignen sie sich besser für Süßspeisen. Dafür lohnt sich dann der Einsatz von einer Extra-Prise Zucker, Honig oder Süßstoff. 

Der ungeschlagene Klassiker ist die Schwarzwälder Kirschtorte. Die mächtige Sahnetorte mit Sauerkirschen, Schokoraspeln und einem hochprozentigen Schuss Schwarzwälder-Kirschen-Obstbrand ist eine gern gesehene Spezialität bei jedem Kaffeekränzchen. 

 

 



Kirsche für Gscheidhaferl