Der Hopfen – ein Multitalent

Hopfen sorgt aber nicht nur für leckeres Bier, die Schlingpflanze hat sich auch als Heilpflanze einen Namen gemacht: Hopfen wirkt beruhigend, regt die Verdauung an, hilft bei Regelschmerzen und beschleunigt die Wundheilung. Aufgrund dieser Eigenschaften hat er bereits seit dem Mittelalter einen festen Platz in Klostergärten.
Zu diesen alten Verwendungsmöglichkeiten kamen in den letzten Jahren aber auch ganz neue hinzu: Die Beautyindustrie entdeckte den Hopfen für sich, für Anti-Aging-Produkte, Shampoos und Kuren.

Kein Tropfen ohne Hopfen

Seit 1516 darf bayerisches Bier laut Reinheitsgebot nur aus Gerste, Wasser und Hopfen gebraut werden, davor wurde mit allem von Eichenrinde über Bilsenkraut bis Waldmeister experimentiert – viel davon löste Halluzinationen aus oder war giftig. Dem setzte das Reinheitsgebot ein Ende. Heute, 500 Jahre später, ist es das älteste noch gültige Lebensmittelgesetz der Welt. 

Lecker und praktisch

Der Hopfen hat im Bier gleich zwei Funktionen: Er trägt durch seine Bitterstoffe und sein Aroma zum guten Geschmack bei und macht das Bier gleichzeitig haltbar. Für Schiffsreisen wurden besonders hopfenhaltige Biere gebraut, die auch langen Reisen standhielten. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde speziell für die langen Fahrten nach Indien das „India Pale Ale“ gebraut. Diese Biere sind bis heute die bittersten, die es gibt.

Hopfen ist nicht gleich Hopfen

Weltweit gibt es über 70 verschiedene Hopfensorten, von leicht süßlich bis bitter. Brauer teilen sie in Bitter- und Aromahopfen ein. Der erstgenannte sorgt durch seine Bitterstoffe unter anderem für den typischen Pilsgeschmack, der Aromahopfen gibt Bieren ihre unverwechselbare Note.  

Hopfenland Hallertau

Ursprünglich stammt der Hopfen wohl aus Asien, heute wird er in über 50 Ländern rund um die Welt angebaut. Das größte Anbaugebiet weltweit ist aber nicht besonders weit weg: In der Hallertau wird rund ein Drittel der weltweit gehandelten Hopfen-Menge angebaut.
Etwa 950 Betriebe sorgen dort dafür, dass Brauereien weltweit mit Hopfen versorgt werden. Und auch wenn die Pflanzen mittlerweile maschinell gepflückt werden können, ist die Ernte immer noch sehr aufwendig: In jedem Maßkrug stecken übrigens rund fünf Minuten Arbeitszeit eines Hopfenbauers.

Das Hopfen-Abc

  • Die Blüten wachsen von Juni bis August, die Früchte reifen von Juli bis September.
  • Nur die weiblichen Pflanzen bilden Dolden aus.
  • Hopfen ist ein wahrer Speed-Junkie: Bis zu 30 cm am Tag kann er wachsen, damit ist er schneller als alle anderen Pflanzen in unseren Breitengraden.
  • Hopfen wird bis zu 50 Jahre alt, aber die Pflanze rankt sich jedes Jahr aufs Neue empor.

Bier selbst brauen

Bis zu zwei Hektoliter Bier darf jeder Deutsche im Jahr herstellen, ohne dass Steuern dafür anfallen – man muss den Zoll lediglich darüber informieren.

Der Brauprozess läuft in folgenden Schritten ab: Zuerst wird die Maische angesetzt, indem Wasser und Malzmischung erhitzt werden. Dann folgt das „Läutern“, das Abschöpfen der Körner. Was übrig bleibt, nennt sich jetzt „Würze“ und wird erneut gekocht. Dabei wird der Hopfen hinzugegeben.
Anschließend muss das Bier gelagert werden. Dies kann je nach Sorte zwei Wochen oder drei Monate dauern.

 


Hopfentee

Hopfen hat eine beruhigende Wirkung und wird deswegen oft als Hausmittel gegen leichte Schlafprobleme eingesetzt.
Ein bis zwei Teelöffel zerkleinerter Hopfen reichen für eine Tasse Tee. Einfach mit heißem Wasser übergießen und ca. 15 Minuten ziehen lassen. Mit Melisse, Lavendel oder Kamille lässt sich der bittere Geschmack des Hopfens kaschieren.
Die Wirkstoffe der Pflanze verflüchtigen sich mit der Zeit, länger als ein Jahr sollte der Tee deswegen nicht gelagert werden.

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Hopfen für Gscheidhaferl