Alle Wege führen nach Norden

Vaccinium myrtillus bzw. Vaccinium corymbosum – man muss die wissenschaftlichen Namen für das kleine blaue Wunder nicht unbedingt kennen, um zu wissen, dass die Heidelbeere auf dem Sommer-Speiseplan der Deutschen ganz weit oben steht. Die Beere wächst an verzweigten Zwergsträuchern aus der Familie der Heidekrautgewächse. In der Natur wissen die Sträucher die Geborgenheit des Waldes besonders zu schätzen und beschränken ihren natürlichen Lebensraum hauptsächlich auf die nördlichen Zonen unserer Erdkugel. Dazu zählt unter anderem der Norden Europas, Asiens und Amerikas. 

Die dunkle Frucht mit den vielen kleinen Samen erscheint dabei fast unsterblich. Dadurch, dass die kahlen Sträucher sich nicht ausschließlich durch die Bestäubung der Tierwelt vermehren, sondern auch vegetativ und unterirdisch, ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass wir jemals ohne sie auskommen müssen. Das freut nicht nur die Beeren-Genießer, sondern auch die Erzeuger: Rund 5000 Tonnen Kulturheidelbeeren wurden im Jahr 2016 in Deutschland geerntet. 

Sortenunterschiede? Gibt es ¬– und das nicht zu knapp! Zuerst wären da die niedrig wachsenden Heidelbeeren, die extrem winterfest sind. Dazu zählt unter anderem die Sorte „Burgundy“, deren Strauch an einer auffälligen, tiefroten Färbung zu erkennen ist. Die halbhohen Heidelbeeren werden schon deutlich größer – bis zu zwei Meter. Die „Polaris“ oder die „Northsky“ bringen zwar nur durchschnittlich hohe Erträge mit sich, haben dafür aber ein intensives Aroma. Die südlichen Hochbusch-Heidelbeeren vertragen den Winter nicht so gut; ebenso wenig wie die Kaninchenäugigen Heidelbeeren, die daher hauptsächlich in Neuseeland oder Australien aufgezogen werden. Innerhalb der Gattung der Hochbusch-Heidelbeeren ist die „Bluecrop“ weltweit die populärste Sorte: Sie ist ausgesprochen kälteresistent, widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten aller Art, besonders ertragreich und kann auch mit Trockenheit erstaunlich gut umgehen. Eine wahre Wunderbeere sozusagen! 

Kleines blaues Wunder

Es gibt fast nichts, was die Heidelbeere nicht kann! Bereits im 12. Jahrhundert wurde der fruchtige Tausendsassa von der Gelehrten Hildegard von Bingen als Heilpflanze beschrieben. Dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe hat sie inzwischen sogar den Beauty-Sektor erobert: Sowohl Vitamin E, das sogenannte "Schönheitsvitamin", als auch Vitamin C sind in der Powerbeere enthalten. Letzteres regt die Kollagen-Produktion an und hält somit die Haut in Schuss.  

Wild oder Kultur: Die Heidelbeere bringt viele positive Nährstoffe. Ein Erkennungsmerkmal zur einfachen Unterscheidung ist zum Beispiel das dunklere Fruchtfleisch, welches der Zunge und den Zähnen einen tiefblauen Farbstich verpasst. Laut diversen Studien haben die Blaubeeren eine positive Wirkung auf unsere graue Zellen und unsere Augen. Auch die kognitiven Leistungen können durch den Verzehr von Heidelbeeren merklich verbessert werden. 

Doppelt hält besser!

Wer Platz, Zeit und einen grünen Daumen hat, der könnte natürlich auch Gefallen an einer garteneigenen Heidelbeerzucht finden. Dazu geeignet sind vor allem die großfruchtigen Kultur-Heidelbeeren, die geschmacklich wahre Ausnahmetalente sind. Nur alleine sind sie nicht gerne: Um einen besonders hohen Ertrag zu garantieren, sollten Hobbygärtner darauf achten, mehrere Sorten auf einmal zu pflanzen. Auch ein feuchter, humusreicher Boden und ein sonniges Plätzchen sind für eine erfolgreiche Beerenausbeute wichtig.
Wie die meisten Heidekrautgewächse sollte man die empfindlichen Pflanzen weder zu tief einpflanzen noch mit kalkhaltigem Leitungswasser gießen. Natürliches Regenwasser – oder in regenärmeren Monaten auch nahezu kalkfreies Leitungswasser – lassen die Pflanzen aufblühen und verhindern unerwünschte Wachstumsstörungen.

Pralles Vergnügen

Die beste Zeit, um sich von der leckeren Obstsorte, zu ernähren ist vom späten Juni bis hinein in den September. In diesen Monaten sollten begeisterte Beerenliebhaber während des Einkaufs die Augen offenhalten und bei blanker Oberfläche, welken Stellen oder einer ungewöhnlich dunklen Farbe lieber auf die nächste Lieferung warten, um etwaigen Enttäuschungen vorzubeugen. Haben die Beeren jedoch eine gewisse Fülle und eine leicht pelzige Schicht, eignen sie sich bestens für den Verzehr. 

Im Kühlschrank sollten die Heidelbeeren maximal vier Tage gelagert werden, danach droht Schimmelbefall. Die leicht säuerlichen Früchte sind druckempfindlich und sollten einem ausgiebigen Waschgang unterzogen werden, bevor sie in Muffins, Smoothies oder auf Salaten landen. 

Apropos Muffins: Im Kombination mit anderen Früchten macht das Superfood eine ausgezeichnete Figur auf dem Kaffeetisch. Aber auch den Start in den Tag können uns die Blaubeeren schmackhaft machen – zum Beispiel in Form von leichter Heidelbeermilch oder zusammen mit frischen Birnen in einem fluffigen Omelette. Wer dann immer noch nicht genug hat, der brät sich einen Ziegenkäsetaler an, bereitet sich einen verträglichen Salat dazu und verziert das Ganze mit knackigen Blaubeeren. Fertig ist das ernährungsbewusste Abendmahl!

Die Diskussion zum Thema auf Facebook

Heidelbeere für Gscheidhaferl