Oldie but goldie

Gerste ist die älteste bekannte Getreideart. Ihren Ursprung hat sie im vorderen Orient und der östlichen Balkanregion. Dort wurde sie bereits um 7.000 v. Chr. kultiviert. 2.000 Jahre später gelangte der Gerstenanbau nach Mitteleuropa. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden die Ähren mit den langen Grannen als wertvolles Viehfutter geschätzt. Auch Getreidebauer Klaus Siegelin aus Küps im Landkreis Kronach setzt auf die Gerste. Die größte Herausforderung für den gelernten Landwirt und seinen Vater Gerhard: Die Ernte trocken in die Scheune zu bringen. „Auch wenn wir uns hier an der sogenannten Riviera des Frankenwaldes befinden – die Witterung lässt sich nicht bestellen“, so der gelernte Landwirt, der seinen Arbeitstag effektiv nutzt, um die kostbare Winterfrucht sicher einzuholen.

Anspruchslos und ertragreich

Die Gerste reiht sich – neben Weizen, Mais und Reis – zu den wichtigsten Getreidesorten weltweit ein. Nur rund 100 Tage Wachstum genügen dem widerstandsfähigen Süßgras, um einen guten Ertrag zu liefern. Man unterscheidet zwei Sorten: Sommergerste, die im Frühjahr angebaut und unter anderem für das Brauen von Bier verwendet wird, sowie die im September ausgesäte Wintergerste, die einen hohen Eiweißanteil besitzt und besonders gut als Tierfutter geeignet ist. „Durch die effektive Nutzung der Winterfeuchtigkeit sind die Erträge höher und die Nährstoffe günstig“, erklärt Siegelin, der die Winterfrucht in der hofeigenen Mühle schrotet, um sie dann an seine 700 Schweine verfüttert. Auf der 80 Hektar großen Gesamtfläche setzt er auf eine dreigliedrige Fruchtfolge, um den Pflanzenschutz zu verbessern. „Seit zehn Jahren bearbeiten wir die Böden pfluglos“, so der Getreidebauer. „Regen und Schnee können dadurch langsamer in den Boden sickern, anstatt einfach abzufließen und Boden mitzunehmen. Auch der Humusgehalt hat sich dadurch merklich verbessert.“

Fest oder flüssig

Ob Grütze, Graupen, Mehl oder Müsliflocken: Mit einem Kohlenhydratgehalt von 65 Prozent lässt sich Gerste zu den verschiedensten Nahrungsmitteln weiterverarbeiten. Schon Hippokrates von Kos beschrieb ausführlich die nahrhafte und sogar heilende Wirkung von gestampfter Gerste. In flüssiger Form findet sich die Körnerfrucht heute in Bier, Malzkaffee und sogar Whiskey wieder. Backfähig ist Gerste allein wegen ihres geringen Gehalts an Klebereiweiß (Gluten) nicht. Zu Brot weiterverarbeiten lässt sie sich aber sehr gut in Kombination mit Weizen und Dinkel.

Bekömmlich und fettarm

Einen Großteil der Inhaltsstoffe (rund 60–70 Prozent) von Gerste machen Kohlenhydrate – überwiegend in Form von Stärke – aus. Ballaststoffe und Eiweiße sind je nach Sorte etwa zu einem Zehntel enthalten. Der Fettanteil beläuft sich gerade einmal auf zwei Prozent. Allerdings enthält Gerste das oftmals unverträgliche Gluten und ist daher für Menschen mit Zöliakie nicht geeignet.

Mehl – auf die „Type“ kommt es an!

Mehl ist nicht gleich Mehl. Die Typenzahl steht für den Mineralstoffanteil. Für das perfekte Backergebnis sollte man wissen, was dahintersteckt. Generell gilt: Je dunkler das Mehl, desto höher die Typenzahl.

  • Mehl-Type 405: Das blütenweiße Mehl ist der Klassiker und ist dank seiner sehr guten Backeigenschaften ideal für feines Gebäck oder zum Binden von Soßen.
  • Mehl-Type 550: Das etwas dunklere Mehl eignet sich für die Zubereitung von Teigen, die besonders feinporig und locker werden sollen, zum Beispiel für Rührteig.
  • Mehl-Type 1050: Durch seinen kräftigen und leicht nussigen Geschmack ist das dunkle Mehl für herzhafte Backwaren wie Pizza, Quiche und Mischbrote geeignet.
  • Vollkorn-Mehl: Das dunkle Mehl aus dem ganzen Getreidekorn ist fest und trocken und braucht daher beim Backen mehr Flüssigkeit. Perfekt für Brot und Brötchen.

Gerstenwasser hilft

Ein bewährtes Hausmittel zur Senkung von Fieber ist Gerstenwasser. Dazu einfach 100 g Naturgerste in zwei Liter Wasser zum Kochen bringen und anschließend bei niedriger Temperatur zwei Stunden köcheln lassen. Anschließend die Gerste abseihen und nach Belieben mit Honig süßen.

Für Magen und Darm


Bei Magen-Darm-Erkrankungen empfiehlt sich Gerstenschleim, denn er beruhigt und heilt und hilft so, eine Störung der Darmflora auszugleichen. Gerste in Form von getrockneten Keimen fördert hingegen die Verdauung.

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