Kreuzung ohne Hindernisse

Wer gerne leidenschaftlich die Hüften schwingt in seiner Freizeit, der wird sich mit Polka, Salsa und Lambada sicherlich gut auskennen. Aber auch Gartenprofis und Erdbeerspezialisten können mit den drei Fachbegriffen etwas anfangen – und das ganz ohne Tanzbein. Dahinter verstecken sich Erdbeersorten – drei von über tausend verschiedenen, die sich alle durch andere Merkmale auszeichnen. Die ‚Lambada’ zum Beispiel zählt zu den frühen Sorten. Sie verzeichnet einen mittleren bis hohen Ertrag und ist eine große und mittelfeste Frucht, während die ‚Salsa’ als späte Sorte zwar einen hohen Ertrag, aber einen eher durchschnittlichen Geschmack aufzuweisen hat.

Die Geschichte der Erdbeere begann als kleine, zarte Walderdbeere am abgelegenen Waldrand. Nachdem französische Siedler die wesentlich größere „Scharlacherdbeere“ entdeckten und diese später von kreativen Bauern mit der „Chile-Erdbeere“ gekreuzt wurde, mauserte sie sich zu einer der beliebtesten Fruchtsorten. Tatsächlich bringen die Deutschen heute einen stolzen Verbrauch von jährlich 3,2 Kilogramm pro Haushalt auf die Waage. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2016 in Deutschland auf einer Fläche von rund 18.000 ha Erdbeeren angebaut, 1.900 ha der Fläche liegt in Bayern. Der Anbau erstreckt sich weiträumig über Schwaben, Oberbayern, Niederbayern und Franken – die beliebten roten Früchtchen sind also in ganz Bayern auf kurzem Wege zu haben.

Süßes Mineralstofflager

So süß und doch so gesund: Wer händeringend nach einem Ersatz für Snickers & Co. sucht, ist mit der Erdbeere bestens beraten. Das kalorienarme Obst liefert unserem Körper zahlreiche wertvolle Mineralien, Vitamine und Phenolsäuren. Es enthält sogar mehr Vitamin C als Zitronen und Orangen und schützt uns damit vor fiesen Erkältungen. Auch das Spurenelement Mangan, das zu erhöhter Produktivität führt und Fluor, das Zahnkaries vorbeugt, finden sich in der naturbelassenen Powerbeere.
Wenn man den alten Römern glauben darf, war die Waldfrucht ein echter Wunderheiler: In flüssiger Form soll sie gegen Masern, Pocken, Nasenbluten, Halsweh, Fieber und Depressionen geholfen haben.

Übrigens: Nicht die rote Hülle bildet die Frucht der Erdbeere, sondern die unzähligen kleinen Nüsschen, die sich auf der Oberfläche befinden und leicht hervorstehen. Die Sammelnussfrucht verbreitet sich natürlicherweise also, wenn die Beere irgendwann von ihrem Stängel abfällt und die kleinen Nüsschen als frische Samen dienen.

Do it yourself!

Auch wenn man die Erdbeere fast das ganze Jahr über in deutschen Supermärkten finden kann, schmecken sie am saftigsten in der Zeit von Juni bis September. Wer seinen Kindern im Juni oder Juli eine Freude machen will, der legt einen kleinen Zwischenstopp auf dem Erdbeerfeld um die Ecke ein: Die leckeren Früchtchen lieben lange, nicht zu heiße Sonnentage und lockere Böden zum Wachsen und zeigen sich in dieser Zeit von ihrer prächtigsten Seite. Erhöhter Spaßfaktor beim Selbstpflücken garantiert!

Lokale Erdbeeren schmecken am besten. Und was könnte lokaler sein als der eigene Garten? Wenn man genügend Platz und einen nährstoffreichen, durchlässigen und humosen Boden hat, auf den die Sonne uneingeschränkt strahlen kann, dann steht einer erfolgreichen Karriere als Erdbeerzüchter nichts mehr im Weg. Wichtig ist der Abstand beim Einpflanzen: Mindestens 25 Zentimeter Pflanzabstand sollten in einer Reihe eingehalten werden. Zwischen den Reihen sollten sogar 40 Zentimeter Abstand sein. Beim Einsetzen sollte man die Pflanzen nach Möglichkeit nicht knicken – die Wurzeln müssen senkrecht in die Erde gelangen. Am ertragreichsten sind die Gartenfrüchte übrigens im zweiten oder dritten Jahr nach der Pflanzung. Danach ist aber auch Schicht im Beet – dann sollten neue Jungpflanzen eingesetzt oder die eigenen Ableger gepflanzt werden. 

So schmeckt der Sommer

Eine Brise Wind in den Haaren, wärmende Sonne auf der Haut und gezuckerte Erdbeeren auf der Zunge – was will man mehr? Wenn es schnell gehen soll, dann reicht es, die Beeren mit ein bisschen Zucker zu bestreuen oder eine Portion Schlagsahne darauf zu verteilen. Soll es ein bisschen aufwändiger sein, dann gibt es unzählig viele Rezepte zum Ausprobieren: Für französische Petit-Fours, erfrischende Bowle oder würzigen Erdbeer-Curry-Ketchup wird man bei jedem Anlass garantiert viel Lob ernten.

Bevor es an die Zubereitung geht, ist das Waschen ein unverzichtbarer Schritt. Statt die empfindlichen Beeren unter den Wasserstrahl zu halten, sollte man sie aber besser in einer Schüssel mit Wasser abwaschen, da sonst das Fruchtfleisch leidet. Danach erst die grünen Stiele und Blätter entfernen, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann.
Beim Kauf lohnt es sich, einen zweiten Blick zu riskieren: Erdbeeren reagieren äußerst empfindlich auf lange Transportwege und lange Lagerzeiten. Saftig-grüne Stiele und Kelchblätter sowie Früchte ohne Druckstellen sind Zeichen für gute Qualität. Die beste Frischegarantie ist, Erdbeeren direkt beim Erzeuger in der Region zu kaufen oder auf einem nahegelegenen Feld selbst zu pflücken. Im heimischen Kühlschrank lagert man die Beeren idealerweise im Gemüsefach, da sie im normalen Fach leichter an Feuchtigkeit verlieren. Eine Küchenrolle als Unterlage hilft außerdem gegen ungewollten Feuchtigkeitsverlust. Auch einfrieren ist eine Lösung: Die ganzen Früchte halten bis zu acht Monate im Tiefkühlfach und sorgen auch in kalten Wintermonaten für beerigen Hochgenuss.

Erdbeere für Gscheidhaferl