O'zapft is!

Wenn die Jeans gegen Lederhose und Dirndl ausgetauscht wird, die Kopfschmerztabletten zum Start in den Tag gehören wie die Tasse Kaffee und statt ‚Despacito’ nur noch ‚Oans, zwoa, g’suffa’ angestimmt wird, ist klar: Das Warten auf die 5. Jahreszeit der Bayern hat endlich ein Ende! Dass zur Wiesn nicht nur Hendl, Festzelte und Lebkuchenherzen gehören, sondern vor allem die unverwechselbare Maß Bier - das hat sich weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus herumgesprochen: Das Münchner Oktoberfest ist nicht zufällig das berühmteste Volksfest der Welt.

Bayrischer Exportschlager

Während der Rest von Deutschland pro Jahr circa 104 Liter „Hopfentee“ zu sich nimmt, liefern die Bayern beim jährlichen Bierkonsum echte Spitzenzahlen. Ganze 130-135 Liter fließen im Durschnitt jährlich durch bayerische Kehlen. Aber nicht nur beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch haben sie die Nase vorne: In über 620 bajuwarischen Brauereien wird das begehrte Kaltgetränk produziert – 5,2 Millionen Liter davon gingen im Jahr 2016 in den Export. Diese Zahl entspricht immerhin  24,2 % des gesamten Bierabsatzes und bricht damit sämtliche Rekorde. Verständlich also, dass in Deutschlands südlichstem Bundesland so gut wie kein „gebietsfremdes“ Bier konsumiert und verkauft wird. Wer in Bayern zum Glas greift, trinkt entweder ein helles, untergäriges Vollbier, ein sogenanntes „Bayerisch Hell“ oder ein zünftiges Weißbier. Eine Ausnahme bildet Unter- und Oberfranken: Dort lässt man den Arbeitstag gern mit einem kühlen Pils ausklingen.

Artenschutz für „Bayerisches Bier“

Wenn alle Lebensmittel heutzutage so rein wären wie das Bier aus Bayern, könnte man sämtliche Diskussionen über ungesunde Zusatzstoffe getrost einstellen. Auch wenn das Reinheitsgebot, welches samt seiner strikten Vorgaben bis 1987 befolgt werden musste, heutzutage nicht mehr vom Staat vorgeschrieben wird, halten die bayerischen Brauer immer noch überzeugt an dieser Tradition fest. Vermutlich macht sie das so erfolgreich – immerhin hat sogar die Europäische Union im Jahr 1996 ihre Anerkennung durch eine besondere Auszeichnung zum Ausdruck gebracht. Die Aufnahme in die Liste der geschützten „Traditionellen Lebensmittel“ bestätigt, dass bayerisches Bier nach einer festen Rezeptur hergestellt und nach einem vorgeschriebenen Verfahren produziert wird. Ein entsprechendes Gütesiegel verrät dem Verbraucher, dass es sich um Bier handelt, welches zu 100 % nach dem historischen Reinheitsgebot gebraut wird. Aber das ist noch nicht alles: Am 02. Juli 2009 hat der Europäische Gerichtshof beschlossen, dass „Bayerisches Bier“ in der gesamten Europäischen Union als geschützte geographische Angabe gilt. Grund dafür war eine Auseinandersetzung des Bayerischen Brauerbundes und der Bavaria Brauerei in Italien. Der Name „Bavaria“ war für viele Konsumenten irreführend und darf seitdem nur echten bayerischen Produkten in Anspruch genommen werden. „Bayerisches Bier“ darf ausschließlich aus Bayern kommen. Und die Italiener bleiben bei Pizza und Pasta.

Unschlagbares Quartett

Schon Erich Kästner pflegte zu sagen: „In jedem Glas Bier liegt die Erfahrung unzähliger Generationen“. Neben dieser Erfahrung müssen aber natürlich auch die verwendeten Rohstoffe stimmen – kein Bier kommt ohne Wasser, Malz, Hopfen und Hefe aus. Den größten Anteil bildet das Wasser mit über 90 Prozent. Da ist es besonders wichtig, dass dieser Rohstoff, den die Brauer zum größten Teil aus dem eigenen Tiefbrunnen fördern, herausragende Qualität besitzt und bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Wichtig sind unter anderem Faktoren wie Salzgehalt und Härtegrad – jede Biersorte hat hier einen anderen Anspruch. Auch Malz ist eine unverzichtbare Zutat: Während des Mälzungsvorgangs wird das Getreide in löslichen Zucker, den sogenannten Maltosezucker umgewandelt, damit es sich besser von der Hefe weiterverarbeiten lässt. Auch ohne Hopfen ist das Bier undenkbar. Die würzige Pflanze sorgt mit ihren Bitterstoffen nicht nur für den unvergleichlichen Geschmack, sondern auch für die obligatorische Schaumkrone. Außerdem schützt sie das Bier vor Schimmelbefall. Nicht vergessen werden darf die Hefe: Sie lässt das Bier vergären und ist für die Entstehung von Kohlensäure und Alkohol zuständig.

Kochen, Klären, Gären!

Die Kunst des Bierbrauens braucht Geduld: Es heißt ja nicht umsonst „gut Ding will Weile haben“. Beim Maischen wird Wasser zunächst mit geschrotetem Getreide gemischt und erhitzt. Dabei entsteht sowohl gärfähiger Zucker, der Einfluss auf den Alkoholgehalt hat, als auch – nach weiterem Erhitzen – ungärfähiger Zucker, der Einfluss auf das Aroma nimmt. Danach wird geläutert, das heißt, die Maische wird gefiltert und erhält den neuen Namen „Würze“. Diese Würze wird mit der Zugabe von Hopfen gekocht, bis daraus eine dickflüssige Masse entsteht, die frei von jeglichen Bakterien ist. Dann kommt das Klären durch Rotation in einem speziellen Gefäß. Es dauert so lange, bis sich der Hopfenrückstand von der Flüssigkeit vollständig trennt. Der nächste Schritt ist das Gären. Es gibt sowohl unter- als auch obergäriges Bier, wobei je nach Bierhefen bei unterschiedlichen Temperaturen vergärt wird. Bei obergärigen Hefen sind circa 15-25 Grad notwendig, um die gebildeten Sprossverbände im Gärgefäß in einem Zeitraum zwischen drei und zehn Tagen aufsteigen zu lassen, während die untergärigen Hefen sich innerhalb von zwei Wochen bei 5-10 Grad am Boden absetzen. Nachdem das Bier fertig gereift ist, was je nach Sorte bis zu einem Jahr dauern kann, wird es erneut gefiltert. So ist sichergestellt, dass keine Braurückstände mehr übrig sind. Falls ein Bier nicht mehr nachreifen soll, wird es erneut erhitzt und so haltbarer gemacht. Danach geht es ab in die Flasche. Und von dort möglichst frisch ins Glas.

Lagern leicht gemacht

Dass das Bier eine so große Fangemeinde hat, liegt auch daran, dass es so unglaublich unkompliziert ist. Es braucht nicht viel – ein kühler Lagerplatz reicht ihm völlig aus. Wer einen Keller hat, der trocken und frisch ist, lagert seine Vorräte einfach dort. Ansonsten ist ein kühles Bier aus dem Kühlschrank immer willkommen. 4° bis 7° Grad Celsius sind eine optimale Lager- und Trinktemperatur. Unter Wärme- und Sonneneinfluss verändern sich Geschmack und Aussehen des Biers – und seine Haltbarkeit sinkt. Das gilt auch für große Temperaturschwankungen.

Ein wahrer Alleskönner

Bier ist purer Genuss: Seine sahnige Schaumkrone und sein vollmundiger Geschmack lassen Genießerherzen höher schlagen. Dabei macht es sich nicht nur im Glas oder Seidel gut. Auch als herzhafte Grillmarinade für saftige Spareribs, in Kombination mit Zucchini oder als würziger Unterton zum feinen Fisch lässt sich Bier vielseitig verwenden. Besonders Mutige wagen sich sogar an die süße Küche: Bierpfannkuchen mit Blaubeeren oder Hollerkücherl im Bierteig stellen einzigartige, luftig-leckere Geschmackserlebnisse dar.

Das reicht noch nicht? Kein Problem! Auf der Website vom Bayerischen Brauerbund gibt es noch mehr spannende Informationen rund ums Bier zu entdecken.