Das Wandern ist des Bayers Lust – zu Recht: In keinem anderen deutschen Bundesland finden sich so viele und facettenreiche Wege und Touren durch verträumte (Berg-)Landschaften wie im Freistaat. Mit ins Landschaftsbild gehören neben einsamen Gipfelkreuzen, glücklichen Kühen und fleißigen Bergsteigern auch die typischen Almen.

Ein Fall für sich

Wer denkt, eine Berghütte sei identisch mit einer Alm, der irrt! Auch wenn die Unterschiede für den normalen Bergtouristen kaum zu bemerken sind, gibt es doch klare Merkmale. Während eine konventionelle Berghütte meist ganzjährig geöffnet ist und ausschließlich zur Verpflegung und Aufnahme müder Wanderer gedacht ist, wird auf einer traditionellen Alp- oder Almhütte hart gearbeitet. Rund 100 Tage im Jahr, meist von Anfang Juni bis Ende September, richtet sich das Almpersonal die Hütten häuslich ein und wohnt dort, während es das Jungvieh versorgt. Als Nebenverdienst bewirten manche Almleute Bergwanderer – eine Garantie gibt’s dafür aber nicht.

Ein Hauch von Bergromantik

Endlose Weiden, kristallklare Bäche, grasende Rinder, dazu eine heimelige Hütte, in der ein Feuer brennt:  An der romantischen Bergidylle, die uns in Kindertagen von Heidi & Co. in den Kopf gesetzt wurde, ist nach wie vor etwas dran. Seit rund 1000 Jahren werden große Flächen Weideland in den Bergen, die sich oberhalb der Bergtäler befinden, von engagierten Sennern und Sennerinnen als weidewirtschaftlich genutzt. Der Kaser, wie man die Alm in manchen Regionen auch nennt, ist mit einem Stall und einer Wohnstube mit Feuerstelle ausgestattet. Das urige Aussehen erhalten die Hütten durch die niedrige Höhe, durch überstehende Dächer und durch Baumaterialien wie Holz oder Feldsteine, die vor Ort gewonnen wurden. Überstehende Dächer dienen dem Schutz vor Wind und Regen.

Was die Alm zur Alm macht

Eine einfache Hütte in den Bergen macht allerdings noch lange keine Alm aus. Um diesen Namen tragen zu dürfen und offiziell als „Alm“ anerkannt zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Zum Beispiel: Neben den fleißigen Sennerinnen und Sennern gibt es kein weiteres Personal. Nur er oder sie allein sorgt sich um seine oder ihre Herde und verarbeitet die gewonnenen Produkte – wie die Milch der Kühe – weiter, beispielsweise zu Käse oder Butter. Es kommt nur das auf den Tisch, was selbst produziert wird – gekaufte Lebensmittel dürfen bei der Bewirtung der Gäste nur in sehr geringem Umfang angeboten werden. Außerdem ist festgelegt, dass keine vergrößernden Umbauten an der Alm vorgenommen werden dürfen, die Besucher und Lieferanten nicht per Fahrzeug zur Alm gelangen sollen und keine Werbung geschaltet werden darf. Der Betrieb einer echten Alm ist kein Spaziergang, sondern im Gegenteil oft beschwerlich. Das Bekenntnis zu Einfachheit und Authentizität gehört zur alpinen Idylle unbedingt dazu.

Leben zwischen Berg und Tal

Ohne Bauernhof keine Alm: Während die Nutztiere und das Personal den Sommer in luftigen Höhen verbringen, die wiederum je nach Lage in Nieder-, Mittel- und Hochalmen untergeteilt sind, kommen sie in den restlichen Monaten des Jahres in das Tal zurück. Das Ende der Almsaison wird traditionell mit dem Almabtrieb gefeiert: Die Milchkühe und die Jungrinder werden aufwändig geschmückt und in einem langen Zug von der Alm zurück zum Hof geleitet. Im Berchtesgadener Land tragen sie auf dem Kopf sogenannte Fuikln, die aus Tannengipfeln gefertigt sind. Bis zu vier Kronen werden zusammengebunden und schmücken den Kopf der Kühe. Die Fuikln sind verziert mit farbenfrohen Sternen aus Holzspänen. Allerdings: Ist ein Tier während des Sommers erkrankt oder gar abgestürzt, fällt das imposante Schmücken aus.

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Ausflug auf die Alm

Nirgendwo gibt es heutzutage noch so viele historische Almen zu bewundern wie im Berchtesgadener Land. Der Landkreis, der an der Grenze zu Österreich liegt und für seine spektakulären Naturschönheiten berühmt ist, bietet unzählige Möglichkeiten für Bergtouren mit traditioneller Alm-Verschnaufpause. Doch wo verstecken sich die schönsten? Damit Wanderer an den alpinen Highlights nicht etwa vorbeiwandern, haben wir hier eine kleine Auswahl unserer Favoriten zusammengestellt.

BICHLERALM

Klein aber fein ist sie, die Bichleralm. Über bequeme Wanderwege einfach zu erreichen, liegt die Almwirtschaft mitten in den Chiemgauer Alpen. Die Bichleralm ist eine der wenigen Zwiehofanlagen in den bayerischen Alpen. Das heißt, dass Stall und Wohnhaus im Gegensatz zur „normalen“ Alm voneinander getrennt angelegt sind. Diese Form ist sonst nur von klassischen Bauernhöfen bekannt.

Zu Fuß: 
Um die Bichleralm zu erreichen, bietet sich der historische Klausenrundweg in Weißbach und Schneizlreuth an. Gestartet wird die Rundtour an der Reiterbrücke am alten Forsthaus in Weißbach. 
> Schwierigkeitsgrad: leicht 
> Strecke: 12,5 km 
> Dauer: 4:30 Stunden

FISCHUNKELALM

Versteckt im Berchtesgadener Nationalpark, direkt am Obersee, befindet sich die verträumte Fischunkelalm. Sie ist die perfekte Einkehr nach einer ausgiebigen Bootsfahrt mit einem Elektroboot und einer rund drei Kilometer langen Wanderung. Von der Fischunkelalm hat man einen sagenhaften Blick über den See. Überquert man eine kleine Almwiese, gelangt man direkt zum höchsten Wasserfall Deutschlands auf der anderen Seite: dem Röthbach-Wasserfall. Wer beim Almabtrieb dabei sein will, erlebt hier ein besonderes Schauspiel: Alle Kühe werden nämlich mit dem Boot über den See und dann weiter zu Fuß in die heimatlichen Ställe geschickt. Der Grund: Den Königssee kann man nicht zu Fuß zu umrunden. 

Auf dem Wasser und an Land: 
Um die Fischunkelalm zu erreichen, verlässt man in Salet das Boot. Anschließend führt der steile Uferweg des Obersees zur Alm. 
> Schwierigkeitsgrad: mittel 
> Strecke: 2,7 Kilometer
> Dauer: 1 Stunde 

KALLBRUNNALM

Erstaunlich: Die größte Alm in den Berchtesgadener Alpen befindet sich geografisch eigentlich im Salzburger Land und gehört damit vollständig zu unseren österreichischen Nachbarn. Doch weil sie ursprünglich Teil des Stiftes Berchtesgaden war, haben die Bayerischen Bauern heute noch die Mehrheit. Unglaubliche 350 Rinder sind im Sommer auf der Kallbrunnalm zuhause. Sie geben die Milch für das kulinarische Markenzeichen der Alm: den Kallbrunner Almkäse. Seinen aromatischen Geschmack erhält der Käse durch die speziellen Kräuter, die auf den der umgebenden Almwiesen wachsen.

Zu Fuß: 
Startpunkt ist das Klausbachhaus am Hintersee in Ramsau. Erstmal wird es gemütlich: Ein Erlebnisbus fährt die Wanderer bis zur Haltestelle „Kallbrunnalm“. Bis man den schönen Blick von oben genießen kann, bedarf es jedoch noch einer mittelschweren Wanderung. 
> Schwierigkeitsgrad: mittel
> Dauer: 2,5 Stunden